Donnerstag, 28. Februar 2008

Janusz Korczak

Rupert Neudeck / Lukas Ruegenberg
Janusz Korczak - Der König der Kinder
ab 10 Jahre, Bilderbuch – Großformat, Butzon & Bercker Verlag, Kevelaer 2000, 36 S.; durchgehend vierfarbig illustriert, 21,8 x 28 cm, Pappband, ISBN: 978-3-7666-0296-1, 15,40 €
Die aufrüttelnde Geschichte des jüdischen Pädagogen Janusz Korczak, erzählt aus der Sicht der beiden Waisenkinder Adam und Lea.

" ... Dem Künstler Lukas Ruegenberg und dem Erzähler Rupert Neudeck ist es durch Text und Bilder gelungen, das Schicksal dieser jüdischen Waisenkinder und ihres väterlichen Freundes Janusz Korczak auch schon für junge Leser eindringlich und verständlich zu schildern ..."

Rezension auf friedenspädagogik.de
Janusz-Korczak-Webseiten

Otfried Preußler: Kinder-, Jugend-, Bilderbücher, Theaterstücke

Otfried Preußler hat als praktischer Pädagoge begonnen, und zwar als Volksschullehrer, der er bis 1970 geblieben ist ... Auch als Schriftsteller ist er praktischer Pädagoge geblieben; obzwar er die Kinderliteratur nicht als verlängerten Arm der Schule missverstanden sehen möchte, gehen von seinen Büchern elementare pädagogische Impulse aus, vor allem in den Bereichen der sprachlichen und emotionalen Bildung, hauptsächlich jedoch im Hinblick auf die Entwicklung und Pflege der kindlichen Phantasie ... Bezeichnend für die pädagogische Qualität seiner Bücher ist, dass mit ihrer Hilfe gerade im heilpädagogischen Bereich nachweisbare Erfolge erzielt werden konnten, etwa bei sprech- und hörgeschädigten Kindern, bei verhaltensgestörten Mädchen und Buben und bei der Betreuung von Legasthenikern ... aus der reichhaltigen Homepage Preußlers

Ein Beispiel:
Otfried Preußler
DIE KLEINE HEXE
Ab 6 Jahre, 128 Seiten mit Illustrationen von Winnie Gebhardt-Gayler, EUR 9,90, EUR-A 10,20, CHF 18,00, ISBN 3 522 10580 X
Die kleine Hexe ist leider erst 127 Jahre alt und wird deshalb von den großen Hexen nicht für voll genommen. Da sie nun keine große Hexe ist, will sie wenigstens eine gute sein. Mit diesem Entschluss beginnt ein aufregender Wirbel.
Zur Entstehungsgeschichte der kleinen Hexe sagt Preußler selbst: "Eines Abends behaupteten unsere kleinen Töchter vor dem Zubettgehen, sie hätten schreckliche Angst. - Angst wovor? - "Vor den bösen Hexen!" Ich versuchte ihnen klarzumachen, dass man sich heutzutage vor bösen Hexen nicht mehr zu fürchten brauche, weil es keine mehr gebe. - "Und warum gibt es keine mehr?" - Ja, warum eigentlich? Ich gestehe, dass ich mir bis dahin keinerlei Gedanken darüber gemacht hatte. immerhin dauerte es nicht allzu lang, bis die Antwort gefunden war. Auf diese Weise sind die Geschichten von der kleinen Hexe entstanden. Später habe ich sie zur Probe meinen Schulkindern erzählt - und noch später habe ich sie dann aufgeschrieben: für unsere drei kleinen Töchter und für alle Kinder, die wissen möchten, weshalb man sich heutzutage vor bösen Hexen nicht mehr zu fürchten braucht." (aus einer Textanalyse von Dagmar Wilde)
Und hier noch ein Ton-Auszug aus dem Hörspiel
Die Abenteuer des starken Wanja
Wie wird man der Herrscher von Russland? Der Bauernjunge Wanja zieht aus, gefährliche Abenteuer zu bestehen und die Zarenkrone zu gewinnen. In all den wechselvollen Erlebnissen aber bleibt Wanja sich treu - denn "das Herz ist es, was den Zaren ausmacht." - Hörspiel für Kinder
Sprecher: Rosemarie Fendel, Andreas Pietschmann, Bearbeiter: Ingeborg Tröndle, Regie: Klaus Dieter Pittrich, Produktion: Westdeutscher Rundfunk, 3 CDs 190 Minuten, Erschienen bei: Der Audio Verlag

Mittwoch, 27. Februar 2008

Kinderbücher zum Thema "Tod und Sterben"

HoRUS
Hospiz-Ratgeber für Unterricht und Schule

Es gibt inzwischen eine Überzahl von Kinder- und Bilderbüchern zu diesem Thema, was den Verdacht nahelegt, daß zwar ein großes Bedürfnis erkannt wurde und wird, aber ein wirklicher Kanon solcher Literatur nicht besteht. Vielleicht wird es ihn auch niemals geben.

Das mag den einfachen Grund haben, daß ein Bilderbuch niemals die lebenswirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema ersetzen kann. So sind denn solche Bücher auch allenfalls ein Hilfsmittel, keine in sich vollständige Methode der „Aufklärung" und Auseinandersetzung. Und: Was dem einen Kind gefällt und völlig genügt, kann bei einem anderen Ekel und Unwillen erregen. Man verlasse sich nicht unbesehen auf Empfehlungen anderer Eltern oder Erzieher, und vergesse vor allem auch nicht, daß Kinder - auch gleichaltrige - durchaus in unterschiedliche Phasen der Entwicklung und Verarbeitung sein können.

Nichts ersetzt das authentische, wahre und mutige Wort derer, die den Kindern am nächsten sind. In dem Bestreben, den Kindern die Bitterkeit des Lebens zu verbergen, drückt sich nichts anderes aus als die Todesangst der Erwachsenen. So kann denn die unverblümte Frage von Kindern nach dem Tod („Opa, wann stirbst du?") auch für Erwachsene ein Anlaß sein, einen Schritt der Reifung zu wagen.

Ein aktuelles Interview mit Peter Härtling und dem Zeichner Hans Traxler aus der Frankfurter Rundschau über "ekelhafte Hätschelbücher und anpruchsvolle Literatur für Kinder" sei hier (pdf) wiedergegeben.

Es folgt eine kleine Auswahl greifbarer Kinderbücher zum Thema Tod, Sterben, Trauer und Abschied, die zunächst nur als Liste präsentiert werden. Soweit verlinkt, sind bereits Rezensionen eingefügt. Diese werden nach und nach vervollständigt.

mit vielen Informationen für Eltern und Erzieher
Bild oben: Copyright HoRUS

Dienstag, 26. Februar 2008

Das Jahreszeitenbuch von Christiane Kutik

Christiane Kutik
Das Jahreszeitenbuch
Anregungen zum Spielen, Basteln und Erzählen - Gedichte, Lieder und Rezepte zum Jahreslauf

10.Auflage 2008 (Neuauflage) in Vorbereitung, 319 S., 300 Abb., geb., durchgehend illiustriert von Eva Maria Ott-Heidmann. ISBN-10: 3-7725-0884-7ISBN-13: 978-3-7725-0884-4, Jubiläumspreis ab dem 01.02.08! €(D) 24,90, € (A) 25,60, CHF 44,00

Dieses Buch gibt Eltern und Erziehern Anregungen zu praktischen Tätigkeiten mit Kindern und zeigt, wie die Jahresfeste sinnvoll gestaltet werden können. Dabei wird der Jahreslauf in unserem Erleben zu einem lebendigen Organismus – jegliches Spiel, jede Mahlzeit, jede Geschichte bekommt durch die Einordnung in den Jahreslauf und den Bezug zu den Jahresfesten einen tieferen Sinn.

»Ein herrlicher Sommertag. 1986. Jeder Moment Ruhe ist jetzt kostbar, denn ich bin kurz vor Beendigung des Manuskripts zum Jahreszeitenbuch. Meine Familie ist zum Wandern verabredet mit einem Schulfreund meines Mannes, der schon lange in den USA lebt. Abends daheim große Erheiterung und Lachen, als mich der Amerikaner mich frisch und strahlend begrüßt: ‹O, ich habe gehört, du schreibst einen Bestseller!› Ob intuitiv oder nur aus Spaß - zahllose Leser haben ihm recht gegeben. Eltern, Kinder, Erzieher und Lehrer im In- und Ausland, sowie auch viele Erwachsene, die gar keine Kinder haben, berichten mir bis heute, welche Freude sie an den vielen praktisch umsetzbaren Anregungen des Jahreszeitenbuches haben. Ein wundervolles Echo. Es bestätigt mein tiefes Anliegen, aus dem dieses Buch entstanden ist. Eine Einladung an alle Menschen sich innerlich aufzumachen und die Wunder der Jahreszeiten mit ihren besonderen Ereignissen und Festen in den Alltag einzubeziehen. Zum Anlass der 10. Auflage wünsche ich allen Freunden und Lesern viel Freude beim Lesen, Entdecken, Erzählen, Singen, Staunen und Spielen und Feiern.« (Christiane Kutik)

Aus dem Inhalt: Lichtmess / Fastnacht / Frühling / Ostern / Walpurgisnacht / Mai / Pfingsten / Johanni / Sommer / Herbst / Sankt Michael / Erntedank / Sankt Martin / Advent / Sankt Barbara / Sankt Nikolaus / Winter / Weihnachten / Silvester / Neujahr / Heilige Drei Könige

Webseiten der Autorin für Eltern und Erzieher
(mit weiteren ihrer Bücher)

Zum Thema paßt auch:

Sybille Adolphi wurde 1953 in Stuttgart geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin am Fröbelseminar in Stuttgart und arbeitete als Kindergärtnerin, Leiterin eines Kindergartens und Lehrerin in einer Schule für geistig Behinderte. Heute ist sie Mutter zweier Kinder.

- Blumenkinder für den Jahreszeitentisch
4. Auflage 2003, 96 Seiten, gebunden, EUR(D) 15,50/ EUR (A) 16,00 / CHF 27,70, ISBN-10: 3-7725-1832-X, ISBN-13: 978-3-7725-1832-4

- Neue Blumenkinder für den Jahreszeitentisch
2. Auflage 2005, 80 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, gebunden, EUR(D) 15,50/ EUR (A) 16,00 / CHF 27,70, ISBN-10: 3-7725-2216-5, ISBN-13: 978-3-7725-2216-1

In vielen Familien hat der Jahreszeitentisch seinen festen Platz. Er wird im wesentlichen aus Naturmaterialien, wie Moos, Zweige, Wurzeln, Steine und mit Blumenkindern gestaltet. Im Laufe des Jahres erscheinen getreu dem Vorbild der Natur die verschiedenen Blumenkinder. Hat die jeweilige Blume draußen geblüht, verschwindet sie auch von dem Jahreszeitentisch. Dann erscheint sie in der Gestalt eines schlafenden Wurzelkindes wieder. Dieses Kommen und Gehen auf dem Jahreszeitentisch im Verlauf des Jahres wird von den Kindern wach verfolgt und entsprechend erleben sie es auch draußen in der Natur stärker mit. Durch den Jahreszeitentisch mit seinen Blumenkindern, deren Herstellung in diesem Buch von Sybille Adolphi ausführlich beschrieben und illustriert wird, kommen die Kinder mit dem natürlichen Rhythmus der Natur in Berührung. Vertrauen in die Welt und innere Sicherheit und Stabilität werden den Kindern damit auf den Weg gegeben.

Aktion "Jedem Schulanfänger ein Buch"

Mehr als 60 Kinderbuchautoren in Deutschland rufen auf zur Aktion: Jedem Schulanfänger ein Buch!
Pressemitteilung (Auszug):

... Unser erklärtes Ziel: Jedem Schulanfänger ein Buch! In zehn Jahren soll es in unserem Land gesellschaftlicher Standard sein, dass jeder Schulanfänger bei seiner Einschulung von seiner Schule ein Buch geschenkt bekommt! Woher sollen die Bücher kommen? Ganz einfach: durch Spenden. Jede Schule wird durch einzelne Sach(=Buch)- oder Geldspenden in die Lage versetzt, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung jedem Schulanfänger ein Buch zu schenken. Die Schule dient als Sammelstelle der Spenden, indem sie die eingegangenen Bücher sichtet und verteilt, von dem eingegangenem Geld Bücher bei der örtlichen Buchhandlung kauft und diese verschenkt ... Dazu rufen wir Kinderbuchautoren auf. Und wir selbst machen den Anfang.

Zum ganzen Pressetext auf der Autorenseite Werner Faerber

Montag, 25. Februar 2008

Welttag des Buches 2008: 23.04.2008

Am 23. April 2008 ist es wieder so weit: deutschlandweit feiern Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schulen am UNESCO-Welttag des Buches ein großes Lesefest. Auf Lesungen, Bücherparties, bei literarischen Schnitzeljagden oder Märchenstunden teilen leidenschaftliche Leser ihre Begeisterung für Bücher ... Der Startschuss zum Welttag des Buches 2008 fällt am 17. April mit dem Auftakt des Börsenvereins in der Alten Oper Frankfurt. Rund um den 23. April lädt dann die gesamte Buchbranche Lesefans zu einer bunten Vielfalt von Aktionen ein.

„Ich schenk dir eine Geschichte“ – das Welttags-Buch für Kinder (siehe Bild): Es begeistert jedes Jahr hunderttausende von Kindern: „Reisen in fantastische Welten“ lautet 2008 der Titel des Welttags-Verschenkbuchs „Ich schenk dir eine Geschichte“, das Stiftung Lesen, der cbj-Verlag, Deutsche Bahn AG, Deutsche Post AG und ZDF herausgeben. Die Geschichten werden von renommierten Kinder- und Jugendbuch-Autoren größtenteils eigens zum Welttag des Buches verfasst. In diesem Jahr nehmen Isabel Abedi, Marliese Arold, Nina Blazon, Peter Freund, Wolfgang Holbein/Dieter Winkler, Ralf Isau, Antonie Michaelis und THiLO die jungen Leser auf eine spannende und vergnügliche Reise in fantastische Welten. Eingebunden ist das Welttags-Buch in eine bundesweite Schulkampagne mit Aktionsmaterialien der Stiftung Lesen für Lehrer und Schüler ... Der Buchhandel hat ab Januar 2008 die Möglichkeit, das Verschenkbuch zum Selbstkostenpreis von € 0,70 zu bestellen und an seine jungen Kunden zu verschenken.

ISBN 978-3-5702-7700-3
Bestellhotline: 01805-99 05 05 (14 ct/Min.)
Fax: 089-41 36 33 33
E-Mail: kundenservice@randomhouse.de

Märchen und Sagen zu Pflanzen und Natur

Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgend einem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten! Friedrich Wilhelm Nietzsche

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
sind Schlüssel aller Kreaturen,
wenn die, so singen oder küssen
mehr als die Tiefgelehrten wissen,
wenn sich die Welt ins freie Leben
und in die Welt wird zurückbegeben,
wenn dann sich wieder Licht und Schatten
zu echter Klarheit werden gatten
und man in Märchen und Gedichten
erkennt die wahren Weltgeschichten,
dann fliegt vor einem geheimen Wort
das ganze verkehrte Wesen fort.
Novalis

Märchen und Sagen zu Pflanzen und Natur

Märchen vom Heilen

Der Edelmann und der Bauer
Märchen aus Weißrussland

Der Bauer fragte einmal den Herrn: »Warum ist es eigentlich so, dass der Edelmann Herr ist und der Bauer Knecht?« – »Das kommt daher, weil jeder Edelmann ein Fuder Ruten gefressen hat. Auch mich hat man gelehrt und dabei geprügelt«, antwortete ihm der Herr. Da wollte der Bauer auch ein Herr werden. Er fuhr in den Wald, hieb sich ein ganzes Fuder Ruten zusammen, band sie in kleine Bündel und befahl seiner Frau, sie solle ihn prügeln. »Bist du toll geworden? Was ist dir geschehen? Wofür soll ich dich schlagen?« fragte das Weib. »Prügle mich nur; und tust du's nicht, so schlag ich an dir das ganze Fuder Ruten klein! Ich will ein Herr werden.« Da fing die Frau an, sich herumzuzanken, der Mann aber packte sie bei den Zöpfen und zählte ihr so derb auf, dass sie nun aus Wut ihn zu prügeln begann. Doch soviel sie auch auf ihn einschlug, aus dem Bauern ward doch kein Herr. Nur musste der Arme den ganzen Frühling über im Bett liegen, bis ihm die Wunden verheilt waren.

Im Dorfe sprach sich's herum, und der Bauer wurde bös verhöhnt: »Schaut den alten Lumpen an, Herr wollt er werden! Mag er sich nun ausflicken!« Der Bauer konnte sich nirgends blicken lassen, überall lachten sie ihn aus. Da sagte er schließlich zu seinem Nachbarn: »Na, so will ich euch zum Tort erst recht ein Herr werden!« Eine Brotkruste steckte er sich in den Ranzen und wanderte in die weite Welt hinaus, sein Herrentum zu suchen. So ging er und ging immerzu und kam in einen tiefen, tiefen Wald und geriet in solches Dunkel, dass er sich nicht mehr hinausfinden konnte. Da verirrte sich unser Bauer in dem Walde. Sein Brot aber war schon aufgegessen, und er hatte nichts mehr, um seinen Hunger zu stillen; halb verhungert war er und ganz erschöpft. Doch auf einmal spürte er den Geruch von Äpfeln. Er schaute sich um und erblickte einen Apfelbaum mit sehr schönen und duftenden Äpfeln. Er riss sich welche ab und fing an zu essen. Einen Apfel aß er, dann den Zweiten, fein schmeckte es ihm! Und wie er beim Dritten war, da merkte er, dass sich seine Mütze über dem Kopf in die Höhe hob. Er griff mit der Hand hin – drei Hörner waren ihm gewachsen! Der Bauer erschrak und machte sich schnell fort von dem Apfelbaum. Aber mit den Hörnern wurde es ihm noch schwerer, sich durch das Dunkel durchzufinden. Mit seinen Kräften war es aus, er fiel zu Boden, und obwohl ihm der Kopf schmerzte, schlief er doch bald ein. Am nächsten Tage erwachte er und sah über sich einen zweiten Apfelbaum. »Ich will auch von diesen Äpfeln versuchen, mag werden, was da will!« dachte der Bauer. Er aß einen Apfel – ein Horn fiel ab, er aß einen Zweiten – das zweite Horn fiel ab, er aß einen Dritten – da fiel auch das dritte Horn ab. Im Ranzen hatte er noch von den andern Äpfeln, die steckte er nun in die Tasche, mit den Guten aber füllte er seinen Ranzen. Lange irrte er noch umher, doch endlich fand er hinaus ins Freie.

So kam unser Bauer in ein anderes Königreich. Es war aber gerade ein Feiertag, und da ging er vor die Kirche und bat um Almosen. In der Kirche aber war die Königstochter. Sie merkte, dass er stark nach Äpfeln roch, und schickte ihre Dienerinnen hin, sie zu kaufen; doch wie viel Äpfel sie auch brachten, es waren nicht die Richtigen. Die Königstochter ward zornig, ging zur Kirche hinaus und ließ ihre Kutsche vorfahren. Als sie aber beim Bettler vorbeifuhr, roch es noch stärker nach Äpfeln. Die Königstochter fragte, wem diese duftenden Äpfel gehörten? Da brachte unser Bauer sie ihr heran, und sie gab ihm ein Goldstück dafür. Und während die Königstochter in der Kutsche fuhr, aß sie von den Äpfeln. Doch soviel Äpfel sie aß, soviel Hörner wuchsen ihr auf dem Kopf, und als sie zu Hause ankam, konnte sie fast nicht mehr aus der Kutsche steigen. Die Doktoren wurden herbeigerufen und meinten, man müsse die Hörner abfeilen. Das versuchte man auch, aber die Königstochter schrie Gewalt! Nun war guter Rat teuer. Der König ließ bekannt machen: Wer die Königstochter zu heilen vermöchte, solle Senator werden. Da meldete sich der Bauer. Die Doktoren sahen ihn schief an, doch der König befahl ihnen hinauszugehen.

Der Bauer ließ ein Bad bereiten und setzte die Königstochter hinein; als ihr aber die Sache langweilig wurde, gab er ihr Äpfel zu essen. Sie aß einen Apfel – und ein Horn fiel ab; und so verschwand ein Horn nach dem andern. Als die Doktoren das sahen, wollten sie fortlaufen, aber sie wurden gefangen und auf Befehl des Königs gehängt. Den Bauern jedoch machte der König zum Senator und wollte ihm auch seine Tochter zur Frau geben, der Bauer sagte aber, dass er schon ein Weib habe. So lebte der Bauer eine Zeit lang in jenem Königreich; dann machte er sich frei und reiste heim, um seine Frau zu sich zu holen. Natürlich erkannte ihn niemand zu Hause. Aber das ganze Dorf versammelte sich, um den Herrn zu sehen, der ein Fuder Ruten gefressen hatte. Dann nahm er sein Weib mit und fuhr zurück in sein Königreich und lebt jetzt noch dort als Herr.

Nicht bloß zum Spaß heißt es ja: Für einen Geprügelten gibt man zwei Ungeprügelte und bringt selbst die nicht an.
Dieses Märchen ist den Webseiten der Gemeinschaftspraxis für Anästhesie und Schmerztherapie entnommen. Vorwort dazu:
Sie werden sich vielleicht wundern, auf der Homepage einer ärztlichen Praxis eine Seite mit Märchen zu finden. Natürlich wird in Märchen nichts über die medizinische Behandlung von Krankheiten und erst Recht nichts über die Behandlung chronischer Schmerzen gesagt.

Für die Liste der Märchen, bitte hier klicken!

Aber da Märchen ja keine Geschichten für Kinder sind, wie uns häufig in unserer Kindheit erzählt wurde, sondern das Wissen, die Lebenserfahrung, ja die Weisheit vieler Generationen in der Form von Geschichten übermitteln, kommt in ihnen natürlich immer wieder das "Kranksein" und "Gesund-werden" vor. Oftmals geht es gar nicht so sehr um medizinisch diagnostizierbare Krankheiten sondern der oder die Kranke ist meist "der Hilfe bedürftig", d.h. unsere Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit wird in dem Märchen erzählt. Und natürlich gibt es ein großes überliefertes Wissen darüber, wie diesen "der Hilfe bedürftigen" zu helfen ist, wie "Heilung" geschehen kann. Davon handeln diese Märchen.

Und so vielfältig die Leiden und Krankheiten der Menschen sind, so unterschiedlich und mannigfaltig sind Mittel, die ihre Gesundheit wieder herstellen.

Dieses Wissen vom Heilen, so finden wir, kann unsere ärztlichen Bemühungen um die Behandlung der Krankheiten durchaus an manchen Punkten ergänzen und bereichern. Deshalb möchten wir Ihnen hier jeden Monat ein anderes Märchen vom Heilen vorstellen und wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre.

Der Riese im Nagoldtal

Da ich in Bad Liebenzell wohne, möchte ich auch gerne diese Sage hier einbringen :-)
Einst lebte im Nagoldtal ein gewaltiger Riese namens Erkinger. Zu Liebenzell ließ er sich einen starken Turm bauen. Um das Gemäuer besonders widerstandsfähig zu machen, mußten die Maurer zum anrühren des Mörtels statt Wasser den besten Wein verwenden. In dieser, so erstellten Burg, hauste der Riese fortan mit zwei Spießgesellen und hielt das ganze Tal in Furcht und Schrecken. Mit besonderer Vorliebe raubte er am Hochzeitstag die Bräute, schleppte sie auf die Burg und verschlang sie mit Haut und Haaren. Die Gebeine der Unglücklichen warf er vom Söller der Burg weit hinaus ins Tal, wo sie sich allmählich zu einem ansehlichen Hügel auftürmten.

Dieser Hügel trägt heute noch, wie auch das kleine Dorf, das auf dieser Anhöhe liegt, den Namen Beinberg'.

Immer wieder beratschlagten die Talbewohner, wie sie des grausamen Riesen habhaft werden könnten. Niemand war dem vier Meter langen Unhold gewachsen, der Bäume im Wald entwurzelte, als wären es Kornhalme, und der mit einer furchtbaren Gewalt jeden niederschlug, der sich ihm stellte.

Der Riese war gegen jedes Geschoß durch ein dickes ledernes Wams geschützt, das anstatt blanker Knöpfe, starke eiserne Ringe trug. Unangreifbar saß er in seiner Burg und schleuderte von dort auf jeden Angreifer Steinkugeln, wie man sie heutzutage noch da und dort bei Liebenzell findet.

In ihrer Not baten endlich die Bewohner des Nagoldtales Ihren Landesherren, den Markgrafen von Baden, um Hilfe. Dieser wiederum verbündete sich mit dem Pfalzgrafen Ruprecht. Beide zogen gemeinsam mit einem großen Heer vor die Burg des Riesen und schlossen ihn ein.

Während der Unhold sich hinter seinen Mauern sicher glaubte, ließ der Markgraf heimlich in der Nacht das Burgtor zumauern.

Als der Riese sah, daß es für ihn keine Rettung mehr gab, stürzte er sich schließlich vom höchsten Turm der Burg hinunter. Das Wams, die Hosenträger und einen Schuh des Toten bewahrte man noch lange Zeit zu Hirsau in einer Kapelle auf, die den Namen "Riesenkapelle" trug.

Aus: Friedrich Kübler, Sagen, Geschichten, Brauchtum aus dem nördlichen Schwarzwald, Buchversand Brunhilde Kübler, Bad Herrenalb-Zieflensberg

Bienenmärchen

Ein physikalisches Märchen
(Gebrüder Grimm)

Vor vielen, vielen Lichtjahren lebte im Lande Physikalien die schöne Königstochter Elektro-Liese. Seit ihrer Jugend war sie dem Grafen Oszillo von Kathodenstrahl zugetan. Aber Graf Oszillo hatte einen Widersacher, den Grafen Tele aus dem Geschlecht der Photo-Grafen,der selbst ein Wirbelauge auf Elektro-Liese geworfen hatte.

Eines Tages wurde Graf Oszillo auf der Jagd am Ausgang des Wellentales von Teles Knechten überfallen und auf eine Druckfort-Pflanzung gebracht, wo an den Zweigen der Bleibäume die herrlichsten Glühbirnen gediehen. Durch die Quadratwurzel waren sie gut geerdet. Oszillos treuer Knappe Wolfram-Draht wurde mit einem Wagnerschen Hammer niedergeschlagen, obwohl er aus allen galvanischen Batterien feuerte. Er war aber nur verwundet und wurde von seinen Kons-Tanten und Basen gesundgepflegt.

Alsbald machte er sich mit seinem Fahrad auf, seinen Herren zu suchen. Mit seinem übergroßen Transformat-Ohr hörte er bald, wo dieser war. Es war Eile geboten, denn morgen sollte Elektro-Liese den Grafen Tele heiraten, den sie von der ersten Ampere-Sekunde an verabscheut hatte. Aber ihre Freundin, die Gasana-Liese, hatte ihr zugeraten, da sie schon das astronomische Alter von 20 Lichtjahren hatte. Bald wurden die Stadt und das Schloss festlich geschmückt. Die fünf Tore (Isola-Tor, Genera-Tor, Transforma-Tor, Vek-Tor,Sek-Tor) wurden mit Zündkerzen erleuchtet. Graf Oszillo und Wolfram-Draht bereiteten inzwischen die Flucht vor. Sie rösteten einige Atomkerne und Kosi-Nüsse auf der Robert-Kochplatte, zogen sich feste Polschuhe und warme Windhosen an, und als die Temperat-Uhr Mitternacht schlug, schnürten sie ihre Strahlenbündel und verließen das Haus. Der Wächter hatte nichts gemerkt, da er einen elliptischen Anfall hatte. Die Türschlösser öffneten sie mit einer Bohr-Maschine von Niels, und dann jagten sie in größter Eile über die Magnet-Felder und das Kilo-Watt hinweg. Schon näherten sie sich dem Wechselstrom, der sich in grossen Sinuskurven dahinschlängelte. Dort rasteten sie, tränkten ihre Pferde mit Kristall-Wasser aus einer Lichtquelle und badeten ihre müden Glieder, bis sie wieder ihre Hesse'sche Normalform zurückgefunden hatten. Später ließen sie sich von einer Atmos-Fähre übersetzen. Die Flaschen-Züge der Erd-Bahn donnerten am Kraft-Fluss vorbei.

Als die ersten Röntgen-Strahlen der Morgensonne zwischen den Elektronen-Wolken hervorbrachen und die ersten Tur-Bienen summten, kamen die beiden am Kondensa-Tor an. Sie versteckten sich zwischen Wellenpaketen in einer Mischungs-Lücke und kamen ungehindertin die Stadt. Voller Wis-Mut drangen sie in das Schloss ein. Graf Tele, der in der Nacht in der Milli-Bar gezecht hatte, wurde mühelos überwältigt und dem Gleich-Richter übergeben, der ihn nach dem Coulomb'schen Gesetz verurteilte. Er ließ ihn mit einem Helm-Holtz solange verprügeln, bis er ultraviolett war. Elektro-Liese aber fühlte ihr Mega-Hertz heftig schlagen, als Oszillo endlich bei ihr war.

Es begann nun eine fröhliche Hochzeit. Zuerst trug der Fern-Sprecher eine selbstverfasste Tri-Ode vor, dann wurde dem getreuen Knappen Wolfram das Koordinaten-Kreuz verliehen (das Faden-Kreuz hatte er schon). Für die Bewohner der Stadt wurde ein großes Laby-Rind gebraten, und in dem riesigen Dampfkessel brodelte ein fettes Essen aus Konkav-Linsen und Tang-Enten. Es wurde mit Hilfe von Belichtungs-Messern und Stimm-Gabeln verzehrt. Zum Nachtisch wurden Lack-Mus und Re-Torten gereicht. Die Kapellen einigten sich auf den richtigen New-Ton und spielten bis zum frühen Morgen flotte Loga-Rhythmen. Am nächsten Tag berichtete die hydraulische Presse in allen Einzelheiten über das große Ereignis.
Zähle nie die Flügel einer Elfe! In Bestimmungsschlüsseln für Insekten gibt es häufig einen wichtigen Entscheidungsschritt: Flügel durchsichtig, Anzahl der Flügel: 2 oder 4? Je nach Antwort wird der Benutzer zu Zweiflüglern (Fliegen und Mücken) oder Hautflüglern (Bienen, Wespen, Ameisen) geleitet. Wie aber soll man die Anzahl der Flügel feststellen, wenn das Tier sie über dem Körper zusammengelegt hat? Die Verfasser meinen wohl, nur tote Insekten seien gut zu bestimmen, am besten genadelt und mit ausgebreitet gespannten Flügelpaaren, wie sie in Bestimmungsübungen demonstriert werden. Leider werden sie so auch in vielen Büchern abgebildet, als würden Fliegen und Bienen uns nicht auf jedem Spaziergang im Sommer und sogar im Haus summend und brummend ganz anders begegnen."Elfen" haben im Märchen gläserne Flügel. Insekten mit durchsichtigen Flügeln haben wir ebenso benannt: Dann gibt es schlanke und grazile Elfen wie die Libellen, und dicke plumpe wie die Hummeln. Zu den Elfen zählen auch Bienen und Fliegen. Da einige Schwebfliegen Bienen nachahmen, sind beide gar nicht leicht zu unterscheiden. Im Flug brummen diese Fliegen ganz ähnlich wie Bienen und täuschen sogar durch die Haltung der Beine eine Biene vor. Und wenn sie auf einer Blüte sitzen oder umherkrabbeln, ist die Anzahl der Flügel schon gar nicht auszumachen. Um Elfen als Bienen oder Fliegen zu erkennen, sollte man sie allerdings nicht töten.

Es gibt nämlich einfacherer Bestimmungsmöglichkeiten:
Bienen haben lange, vielgliedrige Fühler, die beim aktiven Tier (wie bei allen Hautflüglern) andauernd in Bewegung sind; Fliegen dagegen besitzen meist nur stummelförmige Fühler, die stets unbeweglich starr gehalten werden. Außerdem haben Fliegen sehr große Augen. Wer also wissen möchte, was für eine Elfe ihm gerade am Fenster oder auf einer Blüte begegnet, sollte auf den Kopf mit den Fühlern und den Augen schaun und er wird Bienen und Fliegen nicht mehr verwechseln. Nicht einmal bis 4 muß er zählen können, nur richtig hinsehen.

Weitere Märchen:
- Die Biene aus der Sicht der Esoteriker
- Das Märchen, wie Bienen und Pflanzen zueinanderfanden
- Die Bienenkönigin
- Der Angsthonig
- Das Märchen von Maruf
- Die Weidenkinder und die Bienen
- Das Rosenfräulein
- Olivella Flower und die Geistwesen
- Der faule Heinz

planet-wissen-Sendung "Märchen"


Bild: Gebrüder Grimm
Es heißt nicht ohne Grund, dass in den Märchen die Seele eines Volkes steckt. Legenden, Fabeln, Sagen, Schwänke, Lügen- oder Tiergeschichten: Märchen sind so vielgestaltig wie sie alt sind. Sie sind der überlieferte Schatz einer jeden Kultur. Erst durch die weltberühmte Sammlung der Brüder Grimm wurde die Bezeichnung Märchen für mündlich erzählte Geschichten populär und auch in andere Sprachen

planet-wissen.de

Märchenschätze

Für die von der Europäische Märchengesellschaft e.V. herausgegebenen Bände innerhalb der Reihe "Märchenschätze" des Königsfurt-Verlages haben erfahrene Märchenerzähler und -erzählerinnen gezielt für die jeweiligen Kongresse aus ihrem Repertoire ausgesucht und mit kurzen "Nachgedanken" versehen. Ein reicher Fundus für Erzähler und Leser. Die Bücher kosten jeweils € 9

Band 01: Traumhaus und Wolkenschloss, Herausgeber: Heinrich Dickerhoff, ISBN 3-89875-098-1
Wir alle möchten unser Traumhaus finden, unseren Lebens-Raum, in dem wir zu uns kommen können, so dass sich unser Leben zum Besseren wendet. In der Arbeit der Europäischen Märchengesellschaft entstand diese Sammlung von wegweisenden Märchen zu diesem besonders packenden Thema ...
Band 02: Verlorene Paradiese - Gewonnene Königreiche, Herausgeber: Ingrid Jacobsen und Harlinda Loxh, ISBN 3-89875-133-3
Bilder einer Welt, in der die Menschen in völliger Harmonie mit sich und ihrer Umwelt leben, sind uralt. Mythen berichten davon. Sie finden sich auch in den individuellen Lebenserinnerungen der Menschen wieder, ebenso wie die Erfahrungen, dass diese paradiesische Welt der Geborgenheit zerbricht ...
Band 03: Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus ..., Herausgeber: Christel Bücksteeg, Thomas Bücksteeg und Heinrich Dickerhoff, ISBN 3-89875-156-2
Märchen sind Lebensgeschichten - sie berühren die Seele, weil wir uns in den Erfahrungen der Märchenakteure wiederfinden können. Märchen machen seelische Prozesse sichtbar, die tief mit unserem Menschsein verbunden sind.

Band 04: Märchen, an denen mein Herz hängt, Herausgeber: Harlinda Lox und Heinrich DickerhoffISBN 3-89875-178-3
"Was ist dein Lieblingsmärchen?" - diese Frage wird im Kreise von Märchenfreunden häufig gestellt - und selten beantwortet; sei es, weil die Gefragten sich nicht entscheiden können, sei es, weil sie etwas so Persön­liches nicht preisgeben wollen. Die Frage ist also eher ungenau und ziem­lich indiskret - aber dennoch spannend. Darum haben wir im Jubiläumsjahr der Europäischen Märchengesellschaft, anlässlich ihres 50. Geburtstages, die Frage nicht nach dem Lieblingsmärchen, wohl aber nach einem Märchen, an dem das Herz hängt, unterschiedlichen Märchenkennerinnen und -kennern gestellt«, so berichten die Herausgeber von der Besonderheit dieses Märchenbandes.
Die Forschungsberichte der Europäischen Märchengesellschaft aus der Welt der Märchen - eine der bedeutensten Sammlungen der Märchenforschung und Märchenkunde. Viele vergriffene Bände wurden nun wieder neuaufgelegt.

Band 01: Vom Menschenbild im Märchen
Band 02: Gott im Märchen
Band 03: Rumänische Märchen außerhalb Rumäniens
Band 04: Märchenerzähler - Erzählgemeinschaft
Band 05: Hessen - Märchenland der Brüder Grimm
Band 06: Antiker Mythos in unseren Märchen
Band 07: Die Welt im Märchen
Band 08: Die Frau im Märchen
Band 09: Märchen in Erziehung und Unterricht
Band 10: Schamanentum und Zaubermärchen
Band 11: Liebe und Eros im Märchen
Band 12: Märchen in der dritten Welt
Band 13: Die Zeit im Märchen
Band 14: Wie alt sind unsere Märchen?
Band 15: Tiere und Tiergestaltige im Märchen
Band 16: Tod und Wandel im Märchen
Band 17: Witz, Humor und Komik im Volksmärchen
Band 18: Phantastische Welten - Märchen, Mythen, Fantasy
Band 19: Märchen und Schöpfung
Band 20: Spiel, Tanz und Märchen
Band 21: Das Märchen und die Künste
Band 22: Märchen in Erziehung und Unterricht heute
Band 23: Zauber Märchen
Band 24: Kindermärchen - Märchenkinder
Band 25: Alter und Weisheit im Märchen
Band 26: Als es noch Könige gab
Band 27: Mann und Frau im Märchen
Band 28: Der Wunsch im Märchen / Heimat und Fremde im Märchen
Band 29: Sprachmagie und Wortzauber / Traumhaus und Wolkenschloss
Band 30: Homo Faber - Handwerkskünste in Märchen und Sagen / Verlorene Paradiese - gewonnene Königreiche
Band 31: Stimme des Nordens in Märchen und Mythen / Märchen und Seele

Forschungsberichte

Beethoven für Kinder

Martella Gutiérrez-Denhoff, Dieter Naumann
Besuch bei Beethoven
Ein Buch für Kinder, Eltern, Lehrer und andere Beethoven-Freunde, 1999, 10 Euro
und

Martella Gutiérrez-Denhoff: Geschichten aus dem Beethovenhaus - Ein Buch für Kinder im Vor- und Grundschulalter, 2004, 5 Euro, Beide Bücher bestellen

Anfang 2004 veranstaltete das Beethoven-Haus einen Malwettbewerb über Beethoven, das Museum und einige seiner Ausstellungsstücke. Die für die teilnehmenden Kinder geschriebenen "Geschichten aus dem Beethoven-Haus" wurden vom Verlag des Beethoven-Hauses gedruckt und mit Ergebnissen des Malwettbewerbs (Bilder von Preisträgern, aber auch Bilder von anderen Teilnehmern) illustriert.

Mehr Angebote für Eltern und Lehrer auf den Webseiten des Beethoven-Museums

Sonntag, 24. Februar 2008

Ostern naht (1)

Christian Morgenstern
Willi Harwerth
Ostermärchen
Lappan-Verlag, 16 farbige Seiten, ISBN: 978-3-8303-1092-1, 9,95, € [DE], 10,30 € [AT]

Ostern ist und bleibt ein ganz besonderes Fest für Kinder. Christian Morgenstern versteht es, in poesievoller Sprache den Ostersonntag zu beschreiben: Der kleine Fritz ist so gespannt auf diesen Tag, dass er schon vorher davon träumt. Gerade erwacht, springt er auf und eilt zum Fenster, wo er noch das rege Treiben der Osterhäschen beobachten kann. Endlich ist es soweit, Fritz und seine kleine Schwester dürfen hinaus in den Garten und suchen voller Begeisterung die versteckten bunten Ostereier. Die einfühlsamen und farbigen Bilder von Willi Harweth unterstreichen die herzliche Atmosphäre dieses Buches.
Vom selben Autor im selben Verlag:
Christian Morgenstern und Elsa Eisgruber
Liebe Sonne, liebe Erde
24 farbige Seiten, ersch. 2007, ISBN: 978-3-8303-1121-8, 9,95 € [DE]10,30 € [AT]
Christian Morgenstern führt Leser und Zuhörer in schönen, lebendigen Versen durch die Natur. Anschaulich beschreibt er in seinen Kinderliedern, wie sich die Natur im Wechsel der Jahreszeiten verändert und streut fantasievolle Texte zu unterhaltsamen Begebenheiten dazwischen. Die einfühlsamen, leichten Aquarelle von Elsa Eisgruber machen "Liebe Sonne, liebe Erde" zu einem wunderschönen, zeitlosen Bilderbuch-Klassiker.

Des Nachts im Traum auf grünem Rasen
beschenken Paul die Osterhasen.
Zwei Eier legen sie gewandt
ihm auf den Arm und unter die Hand.
Am Himmel steht der Mond und denkt:
Ich werde nicht so schön beschenkt.
Aus dem Osterbuch von Christian Morgenstern: Werk, Leben, Vertonungen, Illustrationen, Übersetzungen, Kommentare im

Russische Märchenwelten - Sibirien

Wie das Mädchen sein Volk rettete
Ein Märchen vom Volk der Ewenken *)

Es war einmal ein alter Mann, der wohnte mit seinen drei Töchtern in einer Nomadensiedlung. Er lebte in Armut, sein Tschum war löchrig, warme Kleidung hatte er kaum. Dabei herrschten strenge Fröste, und sie alle froren sehr.

Einmal gab es mitten im Winter einen furchtbaren Schneesturm. Es stürmte Tag für Tag, so daß alle fürchteten, die Tschums würden vom Wind in die Taiga geweht werden. Die Menschen konnten ihre Tschums nicht verlassen und litten Hunger. „Der Schneesturm will gar kein Ende nehmen“, sprach der Alte. „Kotura, der Herr der Winde, hat ihn uns geschickt. Sicherlich zürnt er uns. Geh du, meine älteste Tochter, zu Kotura und bitte ihn, er soll dem Schneesturm Einhalt gebieten.“ — „Wie denn?“ fragte die älteste Tochter. „Ich kenne doch nicht den Weg zu ihm.“ — „Ich will es dir erklären, aber tu, was ich dir auftrage. Ich gebe dir einen kleinen Schlitten mit, schiebe ihn gegen den Wind vorwärts und gehe hinter ihm her. Bloß, darfst du nicht stehenbleiben, darfst den Schnee nicht aus den Schuhen schütten und die Schnüre deiner Kleidung, die der Wind löst, nicht zubinden. Unterwegs kommst du an einen hohen Berg, steige hinauf. Oben kommt ein kleines Vöglein angeflogen und setzt sich auf deine Schulter. Vertreibe es nicht, sondern streichle es und sei freundlich zu ihm. Wenn du zu Koturas Tschum kommst, rühre nichts an — setze dich und warte. Wenn der Herr der Winde eintritt, tue alles, was er befiehlt.“

Die älteste Tochter kleidete sich an, stellte sich hinter den kleinen Schlitten und schob ihn gegen den Wind vorwärts. Schon bald lösten sich die Schnüre ihrer Kleidung, sie begann zu frieren. Sie folgte nicht den Worten des Vaters, ordnete ihre Kleidung und schüttete den Schnee aus den Schuhen. Dann ging sie weiter, dem Schneesturm entgegen. Sie wanderte lange.

Schließlich erblickte sie einen Berg und erstieg ihn. Dort kam ein kleines Vöglein geflogen, wollte sich auf ihre Schulter setzen, aber das Mädchen fuchtelte ärgerlich mit den Armen und vertrieb es. Sie stieg vom hohen Berg hinab und betrat den Tschum des Riesen. Dort sah sie einen Renbraten liegen. Sie entfachte ein Feuer, wärmte sich, riß ein großes Stück fettes Fleisch vom Braten und aß es. Plötzlich hörte sie Schritte. Das Fell, das vor dem Eingang hing, wurde beiseite geschoben, und herein kam ein junger breitschultriger Hüne mit schönem Antlitz. Das war Kotura. Er betrachtete das Mädchen und sprach: „Willkommen! Wohne bei mir, solange du willst. Aber hilf mir ein wenig in der Wirtschaft. Ich habe gejagt und Wildbret gebracht, koche es.“

Das Mädchen kochte das Fleisch.

Kotura befahl ihr, das Fleisch aus dem Kessel zu nehmen und in zwei gleiche Teile zu zerschneiden. „Die eine Hälfte essen wir beide“, sagte er, „die andere lege in einen Holznapf und bringe sie in den Tschum nebenan, dort wohnt eine alte Frau. Reich ihr das Fleisch und warte, bis sie dir den Napf herausbringt.“ Das Mädchen nahm das Fleisch und verließ den Tschum. Der Schneesturm heulte, und die Flocken wirbelten, daß nichts zu sehen war. Nach wenigen Schritten warf sie das Fleisch in den Schnee und kehrte mit dem leeren Napf zu Kotura zurück. Er sah sie an und sagte nichts.

Erneut brach Kotura in die Taiga auf und bat die Tochter des alten Mannes, ihm Kleider aus Fellen zu nähen. Kaum hatte das Mädchen die Arbeit begonnen, als das Fell am Zelteingang beiseite geschoben wurde und eine grauhaarige Greisin eintrat. „Töchterchen“, sagte sie, „mir ist ein Staubkorn ins Auge geflogen, hole es bitte heraus.“ — „Störe mich nicht bei der Arbeit“, antwortete das Mädchen böse, „ich habe keine Zeit.“

Die Greisin sagte nichts, drehte sich um und ging.

Abends kam Kotura von der Jagd heim und fragte: „Sind die Kleider fertig?“ — „Ja.“ Kotura betastete die Kleider — die Felle waren hart, schlecht gegerbt, und genäht waren sie auch schlecht: schief und gar nicht passend. Da erzürnte der Riese und jagte die Tochter des alten Mannes aus seinem Tschum hinaus.

Der Schneesturm aber wütete noch heftiger. Die Menschen zitterten in ihren Zelten. Jagen konnten sie nicht, die Tiere hielten sich alle versteckt, es war nichts zu sehen auher dem weihen Flockenwirbel. Die Kinder weinten vor Hunger, und die Mütter konnten ihnen nichts geben. „Meine älteste Tochter hat nicht auf mich gehört“, klagte der Alte. „Sie hat nicht getan, was ich ihr aufgetragen habe. Darum zürnt Kotura noch mehr. Brich du jetzt zu ihm auf, meine zweite Tochter!“

Aber auch die zweite tat nicht, was der Vater geheißen, und der Riese jagte sie aus seinem Tschum hinaus.

Der Alte aber saß in seinem Tschum mit der jüngsten Tochter, während der Sturm immer stärker tobte und die Zelte umriß, so daß viele Menschen ohne Obdach blieben. „Jetzt bist du an der Reihe, meine inniggeliebte jüngste Tochter“, sprach der Alte traurig. „Ich möchte dich nicht gehen lassen, aber wenn ich dich nicht schicke, verhungern alle Stammesgenossen.“

Das Mädchen verließ den väterlichen Tschum und ging hinter dem kleinen Schlitten dem Schneesturm entgegen. Im Schneetreiben war nichts zu sehen, die Flocken verklebten ihr die Augen, der böse Wind fuhr ihr unter die Kleider und löste die Schnüre, der kalte Schnee geriet ihr in die Schuhe. Aber das Mädchen ging vorwärts und achtete weder auf den Frost noch auf den Sturm. Sie tat alles, wie der Vater geheißen. Sie erstieg den Berg, und da kam das Vöglein geflogen. Das Mädchen vertrieb es nicht, sondern streichelte sein Gefieder und war freundlich zu ihm. Dann setzte sie sich auf den kleinen Schlitten, fuhr bergab und kam geradeswegs zu Koturas Tschum.

Er erblickte das Mädchen und fragte lachend: „Warum bist du zu mir gekommen?“ — „Um dich zu bitten, dem Schneesturm Einhalt zu gebieten. Sonst müssen alle Menschen in unserem Lager sterben.“ —„Warum bleibst du draußen stehen? Tritt ein, mache Feuer und koche Fleisch. Ich bin hungrig, und du bist es gewiß auch nach dem langen Weg.“ Das Mädchen griff nach dem Kessel, säuberte ihn und kochte rasch das Fleisch.

Nachdem sie gegessen hatten, bat Kotura das Madchen, die Hälfte des Fleisches zum benachbarten Tschum zu bringen. Das Mädchen nahm den Holznapf mit dem Fleisch und verließ den Tschum. Aber wohin? Wo sollte sie den Tschum suchen? Sie blieb ein Weilchen stehen, überlegte und ging dann aufs Geratewohl vorwärts. Plötzlich kam das kleine Vöglein geflogen, das sich auf dem Berg auf ihre Schulter gesetzt hatte. Das Vöglein flatterte vor ihrem Gesicht und zeigte ihr den Weg. Das Mädchen brauchte bloß hinterherzugehen. Plötzlich sah sie Rauch aus dem Schnee steigen. Die jüngste Tochter des alten Mannes ging näher heran, scharrte mit dem Fuß den Schnee beiseite und erblickte den Eingang. Eine grauhaarige alte Frau schaute heraus und fagte: „Wer bist du? Was möchtest du?“ — „Ich habe dir Fleisch gebracht, Großmutter.“ — „Hab Dank, Töchterchen . . . Gib es mir. Bleibe solange draußen stehen.“

Das Mädchen mußte lange warten und begann zu frieren. Endlich öffnete sich der Eingang wieder, die Alte schaute heraus und reichte ihr den Napf. Aber im Napf lag etwas. Das Mädchen kehrte zu Kotura zurück und betrachtete jetzt die Geschenke. Es waren Messer, Schabeisen, ein Walkholz, um Felle herzurichten, und Stahlnadeln. Da lachte Kolura. „Sie hat dir viele nützliche Dinge geschenkt. Nähe mir neue Kleider, ich will derweil auf die Jagd gehen.“ Das Mädchen machte sich an die Arbeit, aber wieviel kann man an einem Tag schon schaffen? Plötzlich trat die alte Frau ein, der sie das Fleisch gebracht halte. „Sei so gut“, sprach sie, „und hole mir ein Staubkorn aus dem Auge.“ Das Mädchen wies sie nicht ab, legte die Arbeit aus der Hand und entfernte das Staubkorn aus dem Auge. ,,So ist's gut, das Auge tut nicht mehr weh“, sagte die Alte. „Du hast mir geholfen, und auch ich werde mich dir nützlich erweisen.“

Damit ging sie hinaus, kehrte aber schon bald mit vier jungen Mädchen zurück. „Da hast du Helferinnen, zu fünft werdet ihr bis zum Abend fertig.“ Sie walkten die Felle, schabten sie, schnitten sie zu und nähten. Ehe sie sich's versahen, dunkelte es, und Kotura kehrte von der Jagd heim. Als er die fertigen Kleider sah, wollte er sie anprobieren. Er nahm sie zur Hand, betastete sie — die Felle waren weich. Er zog die Kleidung an, die war nicht zu eng und nicht zu breit, sondern passend zugeschnitten und gut genäht. Da sprach Kotura lächelnd: „Du gefällst mir, schönes Mädchen. Du hast ein goldenes Herz und flinke, fleißige Hände. Du bist auch mutig, hast es mit dem fürchterlichen Schneesturm aufgenommen, damit dein Volk nicht untergeht. Werde meine Frau. Meine Mutter hat auch Gefallen an dir gefunden, und meine Schwestern haben dich liebgewonnen. Bleibe für immer in meinem Tschum.“

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als der Schneesfurm aufhörte. Die Menschen brauchten sich nicht mehr zu verstecken und froren nicht mehr. Die Männer gingen auf die Jagd, die Frauen besorgten die Wirtschaft, und die Kinder spielten und waren wieder fröhlich.

*) Die Ewenken haben sich über ein großes Territorium Mittel- und Ostsibiriens ausgebreitet. Heute sind sie im Ewenkischen Nationalen Kreis innerhalb der russischen Föderation vereint. Die Hauptbeschäftigung der Ewenken sind Jagd und Rentierzucht. Die traditionelle Behausung der Ewenken ist der Tschum, ein Kegelförmiges Zeit mit zwanzig bis fünfundzwanzig Stangen, über die Felle gespannt werden. Früher fertigten die Ewenken auch ihre Kleidung aus Tierfellen an. Die Religion der Ewenken waren der Schamanismus und der Jägerkult der ,,Herren der Natur“. In der Sowjetzeit gingen die nomadisierenden Rentierzüchter zu einem seßhaften Leben über. Moderne Dörfer und Siedlungen wurden gebaut, die Kinder der Ewenken gingen zur Schule und studierten. Es entstanden eine nationale Schrift und eine eigene Literatur in der Muttersprache.
Bild: Sibirische Birke im Winter - von unserer Homepage beryosa.net, auf der Sie noch weitere sibirische und russische Märchen finden.

Alexander Puschkin Märchen

Alexander S. Puschkin
Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, dem berühmten, mächtigen Recken Fürst Gwidon Saltanowitsch, und von der wunderschönen Schwanenprinzessin
Reclam, 77 Seiten, ISBN-10: 3150181267, ISBN-13: 978-3150181263, EUR 2,60
Puschkins Märchen (nicht für kleine Kinder geeignet) im Projekt Gutenberg:

Сказка о Царе Салтане (mit sehr schönen Bildern)
Eine Rezension zum Märchen vom Zaren Saltan im Sibirien-Web

Leo N. Tolstois Kindergeschichten (zweisprachig)

Leo N. Tolstoi

Es fuhr ein Bauer in die Stadt - Kindergeschichten
Роехал мужик в город . Рассказы для детей

dtv, 167 Seiten, ISBN-10: 3423093846, ISBN-13: 978-3423093842, EUR 8,50

Graf Lew Tolstoj, der große Erzähler, war auch ein bedeutender Sozialreformer. So richtete er eine Schule für die Kinder seiner Landarbeiter ein. In diesem Band versammelt sind volkstümliche Geschichten, die der Menschenfreund Tolstoj für das Lesebuch der Schulkinder seines Dorfes gesammelt und gestaltet hat. Manche sind Meisterstücke kleiner Prosa.
Leo Tolstoi (1828-1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa zog er sich auf sein Familiengut zurück und schrieb dort seine großen Werke. Unter dem Eindruck Rousseauscher Ideen verurteilte er Kultur und Zivilisation als das natürlich Menschentum verfälschende Elemente. Werke u.a.: "Krieg und Frieden", "Anna Karenina", "Die Kreuzersonate", "Meine Beichte".
Das Hemd des Glücklichen

Vor langer, langer Zeit, als die Erde noch jung war und die Märchen noch wahr waren, lebte ein Zar.

Eines Tages lag er schwerkrank danieder und versprach die Hälfte seines Reiches demjenigen, der ihm Heilung bringe. Da versammelten sich die Weisen des Landes und beratschlagten, wie sie dem Zaren helfen könnten. Aber niemand wusste Rat. Nur ein Weiser erklärte: "Wenn man einen glücklichen Menschen findet, ihm sein Hemd auszieht und es dem Zaren anlegt, dann wird der Zar genesen."

Daraufhin schickte der Zar Boten aus, die in seinem weiten Reich einen glücklichen Menschen suchen sollten.

Aber es gab keinen einzigen Menschen, der mit allem wahrhaft zufrieden und deshalb glücklich gewesen wäre. Der eine war zwar gesund, aber in seiner Armut unglücklich. Und wenn einer gesund und reich war, dann war die Ehe unglücklich oder seine Kinder waren nicht geraten. Kurz, jeder klagte über sein Los und nannte es ungerecht.

Eines Abends ging der Zarensohn an einer armseligen Hütte vorüber, und er hörte, wie drinnen jemand sagte: "Nun habe ich meine Arbeit getan, habe mich satt gegessen, satt getrunken und gehe schlafen - was fehlt mir noch? Ich bin der glücklichste Mensch."

Den Zarensohn erfasste eine große Freude. Nach seiner Rückkehr in den Palast befahl er, diesem Mann sein Hemd auszuziehen und ihm dafür so viel Geld zu geben, wie er nur wünschte, und dem Zaren das Hemd zu überbringen. Die Boten eilten zu dem Glücklichen, um ihm gegen schweres Gold sein Hemd einzutauschen. Aber der Glückliche war so arm, dass er nicht einmal ein Hemd am Leibe hatte.

Samstag, 23. Februar 2008

Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur

Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Auf diesen Seiten finden Sie Informationen über Aktivitäten der Forschungsstelle, von aktuellen Veranstaltungen über Publikationen und Ausstellungen bis zu Forschungsziele­n.

Zum Beispiel:

- Ausstellungen "Verborgene Kindheiten. Soziale und emotionale Probleme in der Kinderliteratur" vom 15. 2. -14. 3. 2008 in der Internationalen Jugendbibliothek München/Schloß Blutenburg

- Aktuelle Neuerscheinungen: Verborgene Kindheiten - Soziale und emotionale Probleme in der Kinderliteratur; Herausgeber: Jens Thiele / Sabine Wallach, BIS-Verlag, Oldenburg 2007, ISBN 978-3-8142-2102-1, 20,00 EUR;
Zum Inhalt: Bilder- und Kinderbücher, die sich den verdrängten und verschwiegenen Themen heutiger Kindheit wie Einsamkeit, Vernachlässigung, Gewalt und Armut zuwenden, unterlaufen häufig, auch in ihren ästhetischen Formen, den "Schonraum Kindheit"; sie relativieren die traditionellen pädagogischen Setzungen und suchen den authentischen, unmittelbaren Zugang zu kindlichen Erlebensweisen. Dabei erweis sich die Kinderliteratur als ein Medium, das nicht nur die offenkundigen und spektakulären Fälle kindlicher Not aufgreift, die in den Medien beklagt werden, sondern auch den differenzierten, leisen Tönen Raum gibt ...

Russische Märchenwelten (5)

Über russische Märchen
Der berühmte russische Märchensammler Aleksander Afanasjew (1826 -1871) veröffentlichte 1855 - 1864 seine Sammlung - "Russische Volksmärchen", die ca. 300 Volksmärchen enthält. Bis zum heutigem Tag ist diese Sammlung die wichtigste Quelle für jeden, der sich mit dem Studium des russischen Märchens befasst ...

Das ist auf dem Meer gewesen, auf dem Ozean.
Auf der Insel Kidan, da steht ein Baum, der hat goldene Wipfel. Und auf diesem Baum geht der Kater Bajun umher,
geht er nach oben, so singt er ein Lied,
geht er nach unten, so erzählt er das Märchen.
Das wäre ein Spaß und ein Vergnügen, da zuzusehen.
Das ist noch nicht das Märchen, sondern erst die Einleitung;
das Märchen kommt erst noch...

Über russische Märchen (mit schönen Illustrationen)

Der russische Grimm: Aleksander Afanasjew
von Peter Wien

Afanansjew, ein großer Bewunderer der Brüder Grimm, sammelte im 19. Jahrhundert nach ihrem Vorbild Märchen in Russland, verfolgte dabei aber einen anderen Ansatz. Im Unterschied zu den Grimms suchte er in den Märchen nicht nach nationalen, identitätsstiftenden Besonderheiten, sondern interessierte sich für Gemeinsamkeiten bei den Märchen verschiedener Volksgruppen ...

Artikel auf arte - mit dem russischen Märchen Krümchen-Koselchen zum Anhören, gelesen von Peter Wien

Körner, Christiane (Hrsg.)
Russische Volksmärchen aus der Sammlung von A. N. Afanasjew
Народные русские скаски

Illustriert von Miriam Elze, dtv zweisprachig (deutsch-russisch), Übersetzt von Christiane Körner, 192 S., ISBN 978-3-423-09413-9, Euro 10,00 [D] 10,30 [A] sFr 17,60
Ein Dutzend Volksmärchen: von Prinzessinnen und Hexen, dummen und klugen Bauernbuben, Riesen und Gespenstern, dunklen Wäldern und heimeligen Hütten, Verzauberungen und Rettungen. Viele Stoffe, auch viele einzelne Motive sind uns vertraut, stammen aus dem gemeinsamen europäischen (oder indogermanischen) Märchen-Grundbestand. Aber das Brummen der Bären, die rauhe Herzlichkeit der Großmütter, das laute Lachen der Popen, das Klirren des Frostes - solche spezifischen Töne und eine sehr spezifische Erzählweise machen die russischen Märchen für uns zum prachtvoll exotischen Lese-Erlebnis.

Christina Körner war nach der Wende drei Jahre Dozentin für Deutsch beim DAAD in Moskau, lebt jetzt als freie Übersetzerin in Frankfurt am Main.

Termine zum Thema Kinder- und Jugendbuch

Am 2. April 2008, dem Geburtstag von Hans Christian Andersen, feiern Leseförderer weltweit den Internationalen Kinderbuchtag. Diese Aktion etablierte das International Board on Books for Young People (IBBY) vor über 40 Jahren, um verstärkt Aufmerksamkeit auf die Kinderliteratur und Leseförderung zu lenken. Jedes Jahr übernimmt eine andere nationale IBBY-Sektion die Patenschaft für den Kinderbuchtag - in diesem Jahr ist es Thailand. Die traditionelle Botschaft mit der Überschrift "Books Enlighten: Knowledge Delights" verfasste Chakrabhand Posayakrit, der auch das Motiv für das Poster malte. Botschaft und weitere Informationen: www.ibby.org
Information: Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Achtung, Kinder: Am 8. Mai ist Muttertag
Hier zur Onlinekunst-Muttertagsseite

Am 20. September ist Weltkindertag. Infos hier

Am 28. Dezember ist der Tag der unschuldigen Kinder:
Tag der unschuldigen Kinder aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie: ... An diesem Tag wird der Kleinkinder von Betlehem gedacht, die laut dem Matthäusevangelium (Mt 2, 13) auf Befehl König Herodes des Großen nach Jesu Geburt ermordet worden sein sollen ...

Weitere Termine in
kinderbuchfoum.de => Messen, Lesungen, Buch-Events, Wettbewerbe

Nina Rauprich: Tierschutz

Nina Rauprich: Lasst den Uhu leben!
Ab 9 Jahre, Illustriert von Irmtraut Teltau, dtv junior, 144 S., ISBN 978-3-423-70129-7, Euro 5,50 [D] 5,70 [A] sFr 9,90
Umweltschutz in der Eifel: Jette und Tom helfen, einen verletzten Uhu zu retten.
Nina Rauprich: Die sanften Riesen der Meere
Ab 10 Jahre, Illustriert von Irmtraut Teltau, dtv junior, 120 S., ISBN 978-3-423-70217-1, Euro 5,95 [D] 6,20 [A] sFr 9,95
Nachdem Delfine ihm das Leben gerettet haben, will Manuel nicht länger Walfänger werden. Im Gegenteil ... Seit Generationen leben die Bewohner der portugiesischen Insel Madeira vom Walfang und auch der zwölfjährige Manuel möchte einmal Walfänger werden. Doch als er eines Tages in Seenot gerät und von Delphinen zur Küste zurückgetragen wird, beginnt er die Riesen der Meere mit ganz anderen Augen zu sehen. Zusammen mit der Meeresbiologin Petra kämpft er für die Einstellung des Walfangs vor der Insel.
Nina Rauprich wurde 1938 in Bielefeld geboren. Nach ihrer Schulzeit studierte sie Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung in Göttingen. Anschließend ging sie nach Berlin an das Max-Reinhardt-Seminar und nahm Schauspielunterricht ... mehr

Astrid Lindgren

"Am 14. November 1907 wird Astrid Anna Emilia Ericsson auf dem Hof Näs in der Nähe von Vimmerby, Småland, geboren. Sie ist das zweite Kind von Samuel August Ericsson und seiner Frau Hanna, geborene Jonsson.

Die Kindheit war erfüllt von Geborgenheit und Liebe. Die gegenseitige Liebe der Eltern währte ein Leben lang. Astrids Vater verliebte sich als Dreizehnjähriger, als er Hanna in Hult, die damals erst neun Jahre alt war zum ersten Mal begegnete.

17 Jahre später heirateten sie. Samuel August war inzwischen Bauer und Hanna wurde Bauersfrau, obwohl sie gern Lehrerin geworden wäre.

Am 27. Juli 1906, ein Jahr nach ihrer Hochzeit, bekamen sie ihr erstes Kind, Gunnar, und 1907 wurde die erste Tochter geboren, Astrid ..."

Homepage "Astrid Lindgren"
TV-Sendung "planet-wissen": Ihre Bücher stehen in Millionen Kinderzimmern auf der ganzen Welt und auch Erwachsene begeistern sich für Karlsson vom Dach, Ronja Räubertochter oder Michel aus Lönneberga, die minderjährigen Helden aus Astrid Lindgrens Werken. Besonders mit ihrem Welterfolg "Pippi Langstrumpf" etablierte die schwedische Autorin einen neuen Ton in der Kinder- und Jugendliteratur. Vehement und ungeniert plädierte sie darin für die freie Entfaltung der Kinder. Lindgren selbst sagte, das Geheimnis ihres Erfolges habe in ihrer eigenen glücklichen Kindheit gelegen, die Vorlage für viele ihrer Geschichten war.

Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur

Von der Buchstabentafel zur Tugendfibel
TEIL I: Kinder- und Jugendliteratur von den Frühformen bis zur Biedermeier-Epoche

Die Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur entstand in engem Zusammenhang mit der Herausbildung von „Kindheit“. Spielten zu Beginn Religiösität und Sittenlehre eine wesentliche Rolle in den Inhalten und Zielen der Literatur für Kinder und Jugendliche, so schlugen sich in Zeiten der Aufklärung insbesondere pädagogische Ziele nieder. In dieser Epoche konnte man erstmals von einer spezifischen Kinder- und Jugendliteratur reden. Dichter und Denker in Deutschland und Europa versuchten, dem Kind mit „kindgerechter“ Literatur zu begegnen. Die Literatur als solche gehörte sogar zu einem wichtigen Instrument der Erziehung. Diese Tendenzen und Erkenntnisse sollten aber schon bald Gegner finden. Die Vertreter der Romantik setzten der „pädagogischen Instrumentalisierung“ das der Literatur Eigene, das Künstlerische, das Poetische und Fantastische entgegen.
Zu diesem Thema siehe auch: Überblick zur Entwicklung des deutschen Kinder- und Jugendbuches:

Kinder- und Jugendbuchportal des Goethe-Institutes

Lesetipp des Monats
Arnulf Zitelmann: Ich weiß, dass ich nichts weiß
Anschauliche Darstellung über Leben und Wirken der 4 großen antiken Philosophen Sokrates, Platon, Aristoteles und Diogenes. Geeignet ab 15 Jahren.
Das Portal stellt kompakte Informationen über deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchautoren sowie Kinderbuchillustratoren der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts - vorrangig für Vermittler von deutschsprachiger Literatur im Ausland - zur Verfügung. Von einer Expertenjury wurden 50 Kinder- und Jugendbuchautoren sowie 20 Illustratoren ausgewählt, die mit einer Kurzbiographie und einer Werkauswahl präsentiert werden. Über 500 lieferbare Titel sind nach Themen und Genres recherchierbar. Das Kinder- und Jugendbuchportal entstand in Zusammenarbeit des Goethe-Instituts mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) - Leipzig University of Applied Sciences - und der ekz.bibliotheksservice GmbH.

Freitag, 22. Februar 2008

Herzkranke Kinder

Annas Herzoperation - erzählt von Kobold Mutz
Broschüre als PDF-Datei
HerzKinderForum - ein Informationsportal zum Thema herzkranke Kinder von Betroffenen für Betroffene mit HerzKinderForum, HerzKinderWiki und HerzKinderInfos

Zum Herzkinderforum

Initiative "Eltern ans Netz"

Was geht ab bei den Kids?

· Wissen Sie was Ihr Kind so täglich am PC treibt?
· Wissen Sie genau, wie lange Ihr Kind am PC sitzt?
· Kennen Sie die Webseiten, wo Ihr Kind hingeht?
· Kennen Sie den Chat, wo Ihr Kind sich unterhält?
· Kennen Sie all die Abkürzungen und Begriffe aus dem Netz?
· Kennen Sie sich mit dem PC und dem Internet aus?

Nein?
Dann sind Sie hier genau richtig!

Wir möchten Ihnen keine Angst machen, sondern Ihnen als Erziehungsberechtigte Hilfen, Anleitungen und Hinweise mit auf den Weg geben. Dabei ist uns durchaus klar, daß wir die eigentlichen Ursachen beseitigen müssen.

Die vorhandene Unwissenheit unserer Eltern über das Medium Internet & den PC als solches sind dabei wohl der wesentliche Schwerpunkt.
Keine Bange. Wir werden nicht von Ihnen verlangen, daß Sie zum IT-Profi werden. Sie werden aber nicht darum herum kommen einige Dinge zu lernen. Und dazu stehen wir Ihnen mit vielen Informationen und Diskussionen zur Seite.

Christa Ludwig: Die Siebte Sage

Christa Ludwig
Die Siebte Sage

Verlag Freies Geistesleben, 504 S., geb. mit Schutzumschlag und Lesebändchen, EUR(D) 17,50/ EUR (A) 18,10 / CHF 31,10; ISBN-10: 3-7725-2177ISBN-13: 978-3-7725-2177-5

Eine unendlich spannende Geschichte über das Schicksal eines Mädchens im Kreuzpunkt zweier Völker. Eine große Saga über den Anfang des Zählens und Erzählens, über Schuld und Verzeihen, Gesetz und Toleranz und – Freundschaft.

Keine Freundin haben dürfen. Sich verbergen. Fliehen. Nur nicht erkannt werden, denn sonst droht dem bardischen Hirtenmädchen Dshirah der Tod im Löwenrachen – falls sie nicht die verlorene Siebte Sage der Barden erzählen kann. Viel hängt von dieser Sage ab für die Zukunft der zwei Völker, die in Al-Cúrbona zusammenleben, Araminen und Barden. Eine dunkle Vergangenheit verbirgt sich hinter dem jetzigen Frieden.

Und wenn Dshirah die Sage nicht träumen kann, wie alle aufgrund eines bestimmten Merkmals eigentlich von ihr erwarten? Dann bleibt nur die Hoffnung, dass sich in den prächtigen Palästen oder den unterirdischen Gemächern der Stadt wenigstens Fragmente alter Aufzeichnungen finden lassen. Aber was ist Zeichen und was nur Ornament in dieser erlesen schönen Welt? – Dshirah und Januão, ihr geliebter Bruder Januão, der Pferdepfeifer, kämpfen bis zum letzten Augenblick.

Christa Ludwig wechselt mit Leichtigkeit zwischen rasantem Tempo, ausgiebigen, fantastisch-schönen Beschreibungen und dem humorvollmärchenhaften Ton der Sagen – mit aller Zeit der Welt.

Leseprobe: » ... Die Sonne kam schnell. Es begann ein heißer südlicher Sommertag. Die Dächer dampften nach dem Regen. Januão las die verborgenen Zeichen:

Ich, Hdorigo, Baumeister der roten Liga unter Kalif Abdalameh I., gehorsam wie ein Hund und stumm wie ein Barde, rette mit meinen zungenlosen Malern, Fliesenlegern und Bildhauern der roten Liga die Siebte Sage des Dshinnu. Du findest sie in vier entlegenen Räumen, da, wohin niemand schaut oder wo niemand Zeit hat zu schauen. Vier Zeichen hier in der Kammer weisen den Weg. Dies schrieb ich, Hdorigo, im Namen meiner Farbe und in der Farbe meines Namens.

Schnell! Januão sprang auf. Es war Morgen und hell in der Kammer. Wie lange hatte er noch Zeit, die vier Zeichen zu suchen? Würde er sie überhaupt erkennen? Zeichen gab es genug an diesen Wänden. Da waren mehr Zeichen als Wände zu sehen. Er drehte sich im Kreis. Schnell! Aber je schneller er sich bewegte, desto weniger konnte er sehen. Er las die Botschaft von Hdorigo noch einmal. Zeichen musste er suchen, nicht Schrift. Was für Zeichen? Er ging an den Wänden entlang und suchte zwischen den araminischen Schnörkeln nach etwas Fremdem, das diese Muster störte. Und in seinem Kopf rasten die Gedanken durch alles, was ihm die Eltern über die Barden erzählt hatten. Dabei rannte seine Erinnerung immer hin und her, denn viel hatten sein Vater, seine Mutter ja nicht mehr gewusst.«...

Über die Autorin: Christa Ludwig, geboren 1949 bei Kassel, studierte Germanistik und Anglistik und war einige Jahre als Lehrerin tätig. 1989 begann sie mit der Buchveröffentlichung und erhielt u.a. ein Stipendium vom Förderkreis deutscher Schriftsteller. Ihr Roman »Carlos in der Nacht« wurde in die Auswahlliste der »Goldenen Leslie« für das beste deutschsprachige Jugendbuch des Jahres 2005 aufgenommen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe des Bodensees.
"Fazit: Für TräumerInnen und solche, die es (wieder) werden wollen, von 8—99. LESEN! (Anne Artner, http://www.bestofweb.at/buecher/jugend.html)"

LesArtige und ZVAB

L ernen Sie das europaweit einzige Literaturhaus für Kinder und Jugendliche kennen.
E ntdecken Sie Bücher und Bilder, Medien und Materialien, Sprache und Spiele.
S ammeln Sie Ideen für Lesenächte, Literarische Spaziergänge, Lyrikwerkstätten ...
A chten Sie auf Räume und Requisiten.
R ufen Sie uns an, wenn Sie einen Beratungstermin für literarische Projekte brauchen.
T reten Sie ein. Wir freuen uns, Ihnen LesArt vorzustellen.

Webseiten LesArt

LesArt und die Gemeinschaft zur Förderung von Kinder- und Jugendliteratur e. V. beginnen in diesem Jahr eine Kooperation mit dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB)

Dabei geht es um Kinder- und Jugendbücher, die als „nicht mehr lieferbar“ gelten, wohl aber in o. g. Verzeichnis stehen und antiquarisch erworben werden können. Das Besondere daran ist, dass die LesArtigen diese Bücher lesen und ihre Leseerfahrungen und –eindrücke formulieren. Kurze Inhaltsangaben ergänzen die Texte der Kinder.

Die LesArtigen sind Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren. Sie treffen sich seit Jahren wöchentlich, um Bücher kennen zu lernen, zu lesen und Meinungen auszutauschen. In der Lesegruppe stehen das bewusste Lesen ebenso wie die eigene Meinungsbildung, die qualifizierte und eigenständige Diskussion im Vordergrund - und natürlich der Spaß am Lesen. Diesen Prozess begleiten LesArt-Mitarbeiterinnen.

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Kinderbücher aus den 50er Jahren und davor

"Wir - das sind Christine und Detlef Heinsohn - haben eine private Sammlerseite mit antiquarischen Büchern. Wir betreiben kein kommerzielles Antiquariat, sondern sammeln selber vor allem

Kinderbücher aus den 50er Jahren und davor

Diese Homepage soll Gleichgesinnten unser Hobby präsentieren. Wir tauschen gern Sammlerexemplare und bieten Interessierten an, Ihre Sammlung zu vervollständigen.

Von den meisten hier vorgestellten Büchern haben wir nur jeweils ein Exemplar. Alle präsentierten Fotos sind von eigenen Büchern selbst erstellt und bearbeitet worden.

Überblick zur Entwicklung des deutschen Kinder- und Jugendbuches

Die hier dargestellte Entwicklung folgt im Wesentlichen der Systematik, die im Standardwerk von Irene Dyhrenfurth: "Geschichte des deutschen Jugendbuches" (Atlantis Verlag, Zürich u.a., 1967) gewählt wurde. An entsprechender Stelle weisen Links zu Büchern unserer Bücherkiste.1.

Frühzeit

Der Beginn von Kinder- und Jugendliteratur ist im Zusammenhang mit der Entwicklung der Jugendbildung zu sehen. Das gemeine Volk konnte ja im Normalfall bis zum 14. Jahrhundert weder lesen noch schreiben. Zu der Zeit entstand in den Städten das Bedürfnis, Kinder in Zucht zu nehmen, "damit sie nicht müßig und auf den Gassen umlaufen, sondern bei und neben den anderen Knaben Zucht lernen und des kundiger und geschickter werden, etliche, daß sie schreiben und lesen lernen, etliche, daß sie gelahrt und geistlich möchten werden" (aus einer Nürnberger Verordnung). So entstanden private Elementarschulen, die von Personen, die sich dafür geeignet hielten, geführt wurden.

Erste "Fibeln" waren die sogenannten ABC-Büchlein, bei denen neben den Laut ein passendes Bild gesetzt wurde (z.B. A = Affenbild). Die Inhalte waren immer in Verse gesetzt. Die Inhalte waren zunächst kirchlicher Art, wobei die ADC-Büchlein - die sich bis ins 19. Jahrhundert hielten - natürlich eine Entwicklung mitmachten .... weiterlesen

Kinder in Naturgärten

Kinder und Jugendliche in Naturgärten
Spielen, wachsen, erfahren, entdecken, behüten, lieben, lernen...
Kinder und Naturgärten gehören zusammen. Natur ist essentieller Teil kindlicher Entwicklung. Ohne Naturerfahrung läuft die menschliche Entwicklung irre. Vom spielerischen Entdecken über das Behütende und Liebende zum Wachsen, Lernen und Schützen wollen ist es ein Weg. Je nach Alterstufe sucht und findet jedes Kind und jeder Jugendliche seine Herausforderung, seine Aufgabe und seinen elementaren Platz!

Webseite mit Buchhinweisen

Russische Märchenwelten (4)

Die Froschkönigin - Царевна Лягушка

Deutsche Übersetzung
im Über-Setzer-Logbuch von Gabriele Zöttl

Russisches Original
auf russouvenir.de

Die sibirische Liedermacherin
Olga Afrajmovitsch ( Ольга Афраймович)
singt 5 Lieder zum Thema "Froschkönigin"

HIER können Sie eines ihrer Lieder davon hören

Russischer Text:

Ах, Царевна-лягушка, ты зачем так спешила,
Ты зачем рано кожу лягушачью спалила?
Ты ступай за собою в тридевятое царство,
Жениха в тридесятом разыщи государстве.

Жги, солнце, жги,
Ты меня не береги,
Лей, дождик, лей,
Ты меня не жалей.

А пройдет сорок сроков, не найдется спаситель –
Приведут тебя ноги в монашью обитель.
Там монашки все бледны, да все в черно одеты,
Да все каются тонко за грехи, коих нету:

Боже, спаси,
Вознеси на небеси,
Мы не любим, не грешим,
В замогильный рай спешим.

Долго путь твой продлится по просторам бескрайним,
Да царевич твой ясный знать не ведает тайны.
Колдовства не нарушит, сам в оковах томится,
Чур тебя, чур, квакушка, стань весенней Жар-птицей!

Жги, солнце, жги,
Ты меня не береги,
Лей, дождик, лей,
Ты меня не жалей.

Russische Märchenwelten (3)

Wassilissa - Die Wunderschöne

In einem Reiche lebte einmal ein Kaufmann zwölf Jahre lang einträchtig mit seiner Frau. Sie hatten eine einzige Tochter, die wunderschöne Wassilissa. Als das Mädchen acht Jahre zählte, ward die Mutter sterbenskrank. Sie rief ihre Tochter zu sich, holte unter ihrer Decke eine Puppe hervor, gab sie ihr und sagte: «Höre, mein Kind, behalte meine letzten Worte gut in deinem Gedächtnis und beherzige sie. Mit meinem mütterlichen Segen hinterlasse ich dir diese Puppe; bewahre sie immer bei dir, zeige sie niemandem. Wenn dir einmal Kummer und Leid widerfahren, gib der Puppe zu essen und dann frage sie um Rat. Die Puppe wird erst essen und dir dann sagen, wie du dem Unglück wehren kannst.»
Darauf küßte die Mutter ihre Tochter und verschied.

Nach dem Tode seiner Frau trauerte der Kaufmann ein Jahr. Dann aber gedachte er sich wieder zu verheiraten. Er war ein angesehener Mann und hätte mehrere Bräute finden können. Am meisten gefiel ihm eine Witwe mit zwei Töchtern. Er glaubte, sie könne ihm eine gute Hausfrau und Wassilissa eine gute Mutter werden. Also heiratete der Kaufmann die Witwe. Aber die Sache kam anders, denn Wassilissa hatte bei der Stiefmutter und ihren Töchtern kein gutes Leben. Sie bürdeten ihr viele Arbeiten auf, damit sie vor Erschöpfung abmagere und ihr Gesicht immer häßlicher werde. Sie machten ihr das Leben zur Hölle.

Wassilissa ertrug alles ohne Widerrede und Murren. Mit jedem Tag wurde sie schöner, während die Stiefmutter und deren Töchter vor Bosheit immer häßlicher wurden, obwohl sie den ganzen Tag die Hände in den Schoß legten. Wie mochte das wohl zugehen? Unserer Wassilissa half ihre Puppe. Am Abend, wenn alle schlafen gegangen waren, schloß sie sich in ihr Kämmerlein ein, gab der Puppe zu essen und sagte: «Iß, liebe Puppe, und höre meine Klagen! Ich lebe wohl in meines Vaters Haus, aber die Stiefmutter will mich verderben. Lehre mich, wie soll ich mich verhalten, was soll ich tun?» Die Puppe aß, tröstete sie in ihrem Kummer und gab ihr gute Ratschläge. Dann konnte Wassilissa ruhig einschlafen. Wenn sie am Morgen erwachte, hatte die Puppe alle Arbeit für sie getan.

Wie hätte sie sonst zurechtkommen sollen! Die Beete waren gejätet, das Gemüse gegossen, Wasser geholt und der Ofen geheizt. Wassilissa konnte sich im Garten erholen und Blumen pflücken. So hatte sie trotz allem mit ihrer Puppe ein gutes Leben.

Es vergingen einige Jahre. Wassilissa wuchs heran und kam ins Alter zu heiraten. Viele junge Männer freiten um sie, aber die Töchter der Stiefmutter wollte keiner. Da ward jene noch giftiger als bisher und gab den Freiern zur Antwort: «Ich werde die Jüngste nicht vor den Älteren heiraten lassen.» - Jetzt wurde das Leben für Wassilissa noch schwerer.

Eines Tages mußte der Kaufmann für längere Zeit eine Reise antreten. Die Stiefmutter hatte erfahren, daß draußen vor der Stadt, nahe an einem finsteren Walde, dem Kaufmann ein Haus gehört. Doch niemand getraute sich dort zu wohnen, weil in dem Walde die Baba Jaga lebte. Sie war eine Menschenfresserin. In dieses Haus zog die Stiefmutter mit den Töchtern. Sie schickte die verhaßte Wassilissa immer wieder mit einem anderen Vorwand in den Wald. Sie sollte der Menschenfresserin begegnen. Aber Wassilissa kam jedesmal wohlbehalten zurück, weil die Puppe ihr den Weg zeigte. Sie ließ sie nicht in die Nähe der Baba Jaga kommen.

So wurde es Herbst.

Eines Abends verteilte die Stiefmutter den drei Mädchen Arbeiten: Eine sollte häkeln, die andere Strümpfe stricken, Wassilissa aber sollte spinnen. Dann löschte sie im ganzen Hause das Licht und ließ nur eine einzige Kerze dort brennen, wo die Mädchen arbeiteten. Sie selbst legte sich schlafen.

Während die Mädchen fleißig ihre Arbeit taten, fing die Kerze zu rußen an. Die eine Stiefschwester wollte den Docht richten, dabei löschte sie aber die Kerze aus, wie es ihr die Mutter vorher befohlen hatte. «Was sollen wir jetzt tun? Kein Licht brennt im ganzen Hause, und unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Jemand muß zur Baba Jaga gehen und Licht holen!» Die Stiefschwestern sprachen: «Uns ist es hell genug von unseren Nadeln. Du mußt Licht holen! Gehe du zur Baba Jaga!» - Und sie stießen Wassilissa aus der Stube.

Wassilissa ging in ihre Kammer, setzte ihrer Puppe die besten Bissen vor und sagte: «Hier, Puppe, iß und hör mein Klagen: Die bösen Schwestern schicken mich nach Licht zur Baba Jaga; die wird mich fressen.» Die Puppe aß und ihre Augen begannen zu leuchten wie zwei Sterne. «Hab keine Angst, liebe Wassilissa! Geh wohin sie dich schicken, nur nimm mich immer mit! Wenn ich bei dir bin, wird dir nichts geschehen.» Wassilissa steckte die Puppe in ihre Tasche, bekreuzigte sich und machte sich auf den Weg in den finsteren Wald.

Sie ging und zitterte vor Angst. Auf einmal sprengte ein Reiter an ihr vorbei: Er war ganz weiß, seine Rüstung war weiß und das Pferd war weiß: Da begann es zu dämmern.

Sie ging weiter, da sprengte ein zweiter Reiter vorbei: Er war ganz rot, seine Rüstung war rot und er saß auf einem roten Pferd: Da ging die Sonne auf, und es ward Morgen.

Wassilissa lief den ganzen Tag und kam am Abend auf die Lichtung, wo das Haus der Baba Jaga stand. Rund um das Haus stand ein Zaun aus lauter Menschenknochen und auf den Pfählen steckten Menschenschädel mit Augen, daraus leuchtete es. Statt der Türe war ein Eingang aus Menschenbeinen, die Riegel waren Hände, das Schloß aber war ein Mund mit scharfen Zähnen. Wassilissa erstarrte vor Entsetzen und stand wie angewurzelt da. Wieder ritt ein Reiter vorbei: Seine Gestalt war schwarz, seine Rüstung war schwarz und er saß auf einem schwarzen Pferd. Er ritt an dem Tor vorbei und verschwand, als ob ihn der Erdboden verschluckt hätte - da ward es Nacht. Nur aus den Augenhöhlen der Schädel leuchtete es. Wassilissa zitterte vor Angst und wußte nicht, ob sie fliehen oder stehenbleiben sollte.

Auf einmal hörte man aus dem Walde fürchterlichen Lärm. Baba Jaga kam aus dem Wald. Sie fuhr in einem Mörser, den sie mit einem Stößel antrieb. Mit einem Besen verwischte sie die Spur hinter sich. Sie fuhr vor das Tor, hielt an und schnüffelte nach allen Seiten: «Fuh, Fuh! Es riecht nach einem Russen! Wer ist hier?» Voll Furcht trat Wassilissa hervor, verneigte sich und sagte: «Ich bin's, Großmütterchen! Die Töchter meiner Stiefmutter haben mich geschickt Licht zu holen.» - «Ja, recht so! Die kenne ich. Du kannst bei mir wohnen und arbeiten, und dann will ich dir auch Licht geben. Erfüllst du aber die Arbeiten nicht, werde ich dich fressen.»

Darauf wandte sie sich zum Tor und rief: «He da, meine festen Riegel, öffnet euch! Ihr, meine weiten Tore, gehet auf!» Die Tore öffneten sich, Baba Jaga fuhr in den Hof und Wassilissa folgte ihr. Gleich darauf schlössen sich knarrend die Tore. Baba Jaga betrat ihre Stube, streckte sich auf der Bank aus und befahl Wassilissa: «Nun hole aus dem Keller Kwas und aus dem Ofen, was dort steht, ich habe Hunger.»
Wassilissa ging hinaus und zündete an einem der Schädel einen Span an. Dann holte sie die Speisen und Baba Jaga aß und trank soviel, daß zehn Männer hätten satt werden können. Als sie satt war, stand sie auf und sagte: «Wenn ich morgen früh fortfahre, kehre den Hof, fege das Haus, koche das Essen, richte die Wäsche und dann gehe auf den Speicher, nimm einen Scheffel Weizen und lese die schwarzen Körner aus! Das alles muß fertig sein, wenn ich nach Hause komme, sonst fresse ich dich!» Dann ging sie schlafen und fing bald an zu schnarchen.

Wassilissa gab der Puppe zu essen, was die Alte übrig gelassen hatte, begoß alles mit ihren Tränen und sagte: «Hier, Puppe, iß und höre meine Klagen! Schwere Arbeit hat mir Baba Jaga aufgetragen und drohte mir, mich zu fressen, wenn ich nicht alles erfülle. Hilf du mir!» Die Puppe gab zur Antwort: «Hab keine Angst, iß zu Abend, sprich dein Gebet und lege dich schlafen! Der Morgen ist klüger als der Abend!»

Als Wassilissa am Morgen erwachte, war Baba Jaga schon aufgestanden. Sie sah zum Fenster hinaus, die Lichter in den Schädeln erloschen. Der weiße Reiter sprengte vorbei - es dämmerte. Baba Jaga trat auf den Hof und pfiff: Der Mörser stand vor ihr mit Stößel und Besen. Der rote Reiter sprengte vorbei — die Sonne ging auf. Baba Jaga setzte sich in den Mörser und fuhr davon. Mit dem Stößel trieb sie ihn an, mit dem Besen verwischte sie ihre Spur.

Wassilissa war allein zu Hause. Sie sah sich im Hause um, bestaunte den Überfluß an allen Dingen und versank in Nachdenken, mit welcher Arbeit sie zuerst beginnen sollte. Als sie aufschaute, war die Arbeit schon getan; gerade las die Puppe die letzten schwarzen Körner aus dem Weizen heraus. «Ach, du meine Retterin, du hast mir aus der Not geholfen!» - «Jetzt brauchst du nur noch das Essen zu kochen», antwortete die Puppe und kroch in Wassilissa's Tasche.

Gegen Abend deckte Wassilissa den Tisch und wartete. Es begann zu dämmern, draußen zeigte sich der schwarze Reiter, und es brach die Nacht herein. Die Augen in den Schädeln begannen zu leuchten. Die Bäume ächzten, das Laub raschelte - Baba Jaga kam in ihrem Mörser gefahren. Wassilissa ging ihr entgegen und Baba Jaga fragte: «Ist alles getan?» - «Schau selbst nach, Großmütterchen!» Die Alte sah überall nach und ärgerte sich, daß sie keinen Grund fand zu tadeln: «Na gut», sagte sie. Dann stieß sie einen lauten Ruf aus, den Wassilissa nicht verstehen konnte. Von oben erschienen drei Paar Hände, ergriffen den Weizen und trugen ihn fort. - Baba Jaga aß sich satt und gab Wassilissa einen Auftrag: «Morgen machst du das gleiche wie heute, außerdem nimmst du vom Speicher den Mohn und säuberst ihn von der Erde, Körnchen um Körnchen. Es hat nämlich jemand aus Bosheit Erde darunter gemischt!» Sprach's und ging schlafen.

Wassilissa gab ihrer Puppe zu essen. Als sie satt war, sagte sie: «Sprich dein Gebet und lege dich schlafen; der Morgen ist klüger als der Abend. Alles wird wieder getan sein, liebe Wassilissa.»

Am nächsten Morgen fuhr Baba Jaga wieder in ihrem Mörser davon. Die Puppe half Wassilissa bei der Arbeit und beide waren bald damit fertig. Als die Alte abends heimkam, besah sie sich alles und rief: «Ihr, meine treuen Diener, meine lieben Freunde, preßt Öl aus dem Mohn!» Es erschienen wieder die drei Paar Hände, ergriffen den Mohn und trugen ihn fort. Baba Jaga setzte sich zum Essen und Wassilissa stand schweigend dabei. - «Warum sprichst du nicht mit mir?» fragte Baba Jaga, «Du stehst da, als wärest du stumm!» -«Ich traute mich nicht. Doch wenn du erlaubst, möchte ich dich gerne etwas fragen.» - «Frag nur! Nur führt nicht jede Frage zum Guten. Wer viel weiß, wird bald alt.» - «Ich möchte nur fragen, nach dem, was ich draußen sah. Als ich auf dem Wege zu dir war, ritt ein Reiter vorbei auf weißem Pferd, in weißer Rüstung: Wer ist das?» -«Der helle Tag!» - «Danach ritt ein anderer Reiter mit roter Rüstung auf rotem Pferd vorbei: Wer ist das?» — «Meine rote Sonne!» - «Und wer ist der schwarze Reiter auf schwarzem Roß, der vorbeiritt, als ich schon vor deinem Tore stand?» - «Meine dunkle Nacht. Alle drei dienen mir treu.»
Wassilissa dachte noch an die drei Paar Hände, - aber sie schwieg. «Warum fragst du nicht weiter?» fragte die Baba Jaga. - «Das genügt mir schon, Großmütterchen, hast du doch selbst gesagt: Wer viel weiß, wird bald alt.» - «Es ist gut, daß du nur danach fragst, was du vor dem Zaun draußen gesehen hast und nicht hinter dem Zaun drinnen! Ich habe es nicht gern, wenn man den Kehricht aus der Stube trägt und fresse jeden, der zu neugierig ist. -Aber jetzt frage ich dich: Wie bringst du es fertig, daß du mit allen Arbeiten fertig wirst, die ich dir auftrage?» - «Mir hilft der Segen meiner Mutter.» - «Ach, so ist das! Dann sieh zu, daß du schnellstens fortkommst. Gesegnete kann ich nicht brauchen.» Baba Jaga zerrte Wassilissa aus der Stube und stieß sie zur Tür hinaus. Draußen gab sie ihr vom Zaun einen Schädel mit brennenden Augen, steckte ihn auf einen Stock, gab ihn ihr und sagte: «Hier hast du Licht für die Stieftöchter, denn danach haben sie dich doch hergeschickt.»

Eilends machte sich Wassilissa auf den Heimweg. Durch den finsteren Wald leuchteten ihr die Augen des Schädels. Am Abend des nächsten Tages kam sie endlich nach Hause. Als sie sich dem Tore näherte, wollte sie den Schädel fortwerfen, denn sie dachte: Gewiß brauchen sie kein Licht mehr. Doch auf einmal war aus dem hohlen Schädel eine Stimme zu vernehmen: «Wirf mich nicht fort, bring mich zu deiner Stiefmutter.»

Als sie in keinem der Fenster zu Hause Licht erblickte, ging sie mit dem leuchtenden Schädel darauf zu. Es war das erste Mal, daß sie freundlich empfangen wurde; sie erzählten ihr, daß sie seitdem kein Licht und Feuer im Hause hatten. Wenn sie bei Nachbarn Licht geholt hätten, wäre es sogleich verloschen, sobald sie damit die Stube betraten. «Hoffentlich wird dein Licht brennen», sagte die Stiefmutter. Sie trugen den Schädel in die Stube, aber die brennenden Augen aus dem Schädel verfolgten und brannten die drei ganz fürchterlich. Wenn sie sich vor den stechenden Strahlen verstecken wollten, - die Augen folgten ihnen überallhin. Gegen Morgen waren die drei ganz zu Kohle verbrannt, - nur Wassilissa war unversehrt geblieben.

Am Morgen vergrub sie den Schädel in der Erde, verschloß das Haus und ging in die Stadt. Dort fragte sie eine alte Frau, die niemand zu versorgen hatte, ob sie bei ihr wohnen dürfe, bis ihr Vater heimgekehrt sei. Die Alte war's zufrieden, und sie lebten gut miteinander.

Es war Winter geworden.
Eines Tages sprach sie zu der Alten: «Mir ist ohne Arbeit die Zeit lang. Geh doch und kauf mir den besten Flachs, den will ich spinnen.» Die Alte kaufte schönen Flachs und Wassilissa setzte sich ans Spinnrad. Die Arbeit ging ihr flink von der Hand und der Faden wurde so fein wie Haar. Bald hatte sie schon eine Menge Garn gesponnen. Nun war es an der Zeit zu weben. Aber sie hatte keinen Webstuhl. Wassilissa bat ihre Puppe: «Bring mir einen Kamm und ein Schiffchen und was dazugehört.» Dann legte sie sich schlafen.

Die Puppe baute über Nacht einen herrlichen Webstuhl, und gegen Ende des Winters war alles zu wunderbarem Linnen gewebt. Im Frühling bleichten sie es. Dann sprach Wassilissa zu der Alten: «Großmütterchen, verkaufe das Linnen, das Geld kannst du für dich behalten.» - Die Alte beschaute das herrliche Linnen, schlug die Hände über den Kopf und sagte: «O nein, mein Kind! So feines Linnen darf kein anderer tragen als der Zar. Ich will es ins Schloß bringen.» - Die Alte ging zum Schloß und lief immerzu unter dem Fenster hin und her. Das sah der Zar von oben und fragte: «Was willst du, Alte?» - «O Väterchen Zar! Ich habe hier eine wunderbare Ware und will sie keinem zeigen als Euch allein.» Der Zar gebot, sie einzulassen. Als er das feine Linnen sah, war er ganz verwundert darüber und fragte: «Was willst du haben dafür?» «Dieses Linnen ist mit Geld nicht zu bezahlen, Väterchen Zar. Ich bringe es dir als Geschenk.» - Der Zar dankte der Alten und entließ sie mit Gaben.

Nun wollte man dem Zaren aus dem Linnen Hemden nähen, aber man fand keine gute Näherin. Sie suchten lange. Schließlich ließ der Zar die Alte rufen und sprach zu ihr: «Hast du es fertig gebracht, so fein zu spinnen und zu weben, so kannst du wohl auch die Hemden nähen.» - «Nicht ich, Herr, habe so fein gesponnen und gewebt. Das ist die Arbeit eines armen" Mädchens, das ich bei mir aufgenommen habe.» - «Dann soll die Hemden eben jenes Mädchen nähen», antwortete der Zar.

Die Alte kehrte heim und erzählte alles Wassilissa. Die sagte: «Ich wußte schon, daß diese Arbeit mir zufallen soll.» Sie ging in ihre Kammer, schloß sich ein, setzte sich an ihre Arbeit und nähte - ohne die Hände in den Schoß zu legen. Bald war das Dutzend Hemden fertig.

Inzwischen war es Sommer geworden.
Die Alte brachte die Hemden zum Zaren. Wassilissa wusch und kämmte sich, zog ihr gutes Kleid an und setzte sich ans Fenster. Da saß sie nun und wartete. - Auf einmal sah sie, wie ein Diener des Zaren sich dem Hause nahte. Als er eintrat, sagte er: «Der Zar will die Meisterin sehen, die ihm die Hemden genäht hat und will sie selbst belohnen.»

Als der Zar die wunderschöne Wassilissa erblickte, verliebte er sich sogleich in sie und sagte: «O du meine Wunderschöne! Von dir will ich mich nicht mehr trennen, werde du meine Frau!» — «Ich bin bereit, mein Zar, deinen Wunsch zu erfüllen. Nur kann ich nicht ohne den Segen meines Vaters heiraten.» - Als der Vater heimkehrte und von dem großen Glück seiner Tochter hörte, gab er ihr seinen Segen, und Wassilissa heiratete den Zaren.

Die junge Zarin nahm die Alte zu sich und auch ihren Vater. Ihre Puppe trug sie immer bei sich - bis an ihr Lebensende.

Zur russischen Version:
Василиса прекрасная