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Donnerstag, 17. März 2011

Bella und Elinor

Bodil Bredsdorff
Die Mädchen aus der Villa Sorrento
ab 12 Jahre, 111 S., geb., ISBN-13:978-3-8251-7746-1, € 12,90
Ein Vorfrühling, der den Tod bringt – und doch wieder einen Sommer! Ein Jahr, in dem für Bella nichts so bleibt, wie es war. Statt des gewohnten Sommerurlaubs bekommt Bella eine Stiefmutter vorgesetzt – und eine gleichaltrige Stiefschwester, die ganz anders ist als sie selbst. Dieses Andere färbt Bellas Leben – nein, nicht aschenputtelgrau! Es füllt sich mit Lachen und schwebenden Tanzschritten. Bis ein Tag kommt, der Bellas neue und ihre alte Welt in Trümmer schlägt …

Bodil Bredsdorffs Texte sind so dicht und tief, wie sie knapp sind. In ruhigem Tempo, der dänischen Küstenlandschaft angepasst, in der sie spielen, leise und unsentimental skizzieren sie große Gegensätze und Umwälzungen, existenzielle Situationen. Es sind Geschichten vom Erwachsenwerden – durch Schmerz, Begegnung mit dem Fremden und neues Hoffnungschöpfen.

... Wir glaubten, der Winter sei vorbei. Dass der Frühling unterwegs sei. Dass bald die Stare kommen würden. Dann setzte mit sternklaren Nächten und sonnigen Tagen der Frost wieder ein. Pling machte es, wenn etwas auf das Eis traf. Stein auf Stein rutschte davon.
Lass uns Schlittschuh laufen, schlug Elinor vor.
Nein, noch nicht. Nicht, bevor wir die Erlaubnis kriegen. Das hätte ich niemals sagen sollen, denn jetzt wurde sie dickköpfig.
Das kann ich ja wohl selbst bestimmen.
Sie meinte es wirklich. Ich war sprachlos. Sie holte ihre Schlittschuhe und setzte sich auf die Bank am Badesteg.
Oh nein, Elinor. Das darfst du nicht! Man darf auf keinen Fall alleine raus aufs Eis. Du musst erst Tante Helga fragen!
Könnte mir niemals einfallen.

Sie band die Schnürsenkel mit Doppelknoten, stakste auf das Eis und ließ sich vorwärts gleiten, während das Metall die Kristalle ritzte. Von dem Geräusch bekam ich Lust, auch zu laufen, aber ich hielt mich im Zaum. Ich setzte mich auf die Bank und folgte ihr mit dem Blick …

DIE AUTORIN: Bodil Bredsdorff, geboren 1951, ist eine bekannte dänische Kinderbuchautorin. Sie ist ausgebildete Erzieherin, studierte Werbung an der Kunstgewerbeschule Kopenhagen und produzierte Fernsehsendungen für Kinder. Für ihre Kinderbuch-Reihe Børnene i Kragevig (Die Kinder von der Krähenbucht) erhielt sie unter anderem 1995 den Kinderbuchpreis des dänischen Kultusministeriums und später auch in den USA mehrere Auszeichnungen. - Mehr zur Autorin (pdf)

Hier im Blog auch: Bodil Bredsdorff, Unter Brüdern

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Helden sind mutig

Bart Moeyaert
Mut für drei
- Geschichten zum ersten Lesen

Hanser Verlag, Übersetzt aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler, Farbig illustriert von Rotraut Susanne Berner, 72 S., Pappband, ISBN-10: 3-446-20896-8, ISBN-13: 978-3-446-20896-4, € 9,90
Niemand vermag mit so einfachen Worten so viel, so poetisch und so witzig zu erzählen wie der Flame Bart Moeyaert - ideale Voraussetzungen für ein anderes, besonderes Erstlesebuch. Die Helden des Buches haben alle Mut, aber jeder auf seine ganz besondere Weise: Rosie findet einen Liebesbrief für jemand anderen und muss sich entscheiden, ob sie gleich tut, was sich gehört, oder erst noch ein bisschen neugierig ist ... Tom geht seiner Mutter manchmal auf die Nerven, aber er kann doch nicht dauernd still in der Ecke sitzen. Vielleicht sollte er sich einen Platz nur für sich allein suchen ... Marta, Sam und Do haben es schließlich mit einem wilden Schulhoftier zu tun und müssen all ihren Mut zusammennehmen, um etwas dagegen zu tun ...
Auszug: Interview mit Bart Moeyaert: "Den Ton finden"
Bart Moeyaert ist einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Belgiens. Im Gespräch mit Silke Rabus von buecher.at erzählt er über den Prozess des Schreibens.
In Ihren Büchern arbeiten Sie mit Auslassungen, machen oft nur Andeutungen. Sie lieben die leisen Töne zwischen den Zeilen?
Es geht mir weniger darum zu beschreiben, was Menschen tun, sondern vielmehr um das, was sie spüren und denken und fühlen. Ich höre zu, was meine innere Stimme, die Erzählstimme sagt. Sie erklärt mir, was für Roman es wird. In meinem Kopf ist eine Art Ton. Über diesen Ton erfahre ich, ob mein nächster Text eine Kindergeschichte wird oder ein Buch, das mehr für Jugendliche oder Erwachsene geeignet ist. Ich weiß dann auf einmal, wie der Text werden wird und muss niemals wieder daran denken, weil der Ton alles deutlich gemacht hat.
Steht die Handlung Ihrer Bücher schon vorher fest oder fangen Sie einfach an zu schreiben?
Am Anfang jeden Buches hat bisher ein Bild gestanden. Ein bewegendes Bild mit Menschen in einem Raum oder einer Landschaft, wo sozusagen überall Kameras stehen, die die Szenerie aufnehmen. Auch in meinen Figuren steckt eine Kamera. Dieses Bild reduziere ich dann mehr und mehr, weil ich sehe oder spüre, dass ich diese Kamera nicht brauche und auch eine weitere nicht verwende. Und auf einmal steht dann die Anfangsszene. Sie gibt vor, wovon die Geschichte handeln könnte ... Zum Interview

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Seidenraupenträume

Åsa Gan Schweder
Seidenraupenträume

ab 8 Jahren, Aus dem Norwegischen von Maike Dörries, Mit Illustrationen von Åsa Gan Schweder.179 S., geb., ISBN-10: 3-7725-2072, ISBN-13: 978-3-7725-2072-3, EUR(D) 17,90, EUR (A) 18,40, CHF 32,00
Von der schmalen Veranda führt eine steile Treppe in den Garten. Auf dieser Treppe, mitten in dem vermoderten Laub, sitzt der Fremde, den Rücken halb Josefin zugewandt. Sie sieht sein Gesicht im Profil. Er sieht viel älter aus, als Josefin ihn sich vorgestellt hat. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, denkt sie, immerhin ist er über tausend Jahre alt. Er hat die Arme in den Schoß gelegt und schaut über die Wiese zu der Wagenhalle. Seine Finger hat er in die langen Ärmel seines Seidenmantels geschoben. Seine Augen erinnern Josefin an zwei schimmernde Mondsicheln. Verträumt und leicht verwundert lächelt er Josefin an.
«Wir haben Besuch», teilt Josefin Anemone mit, die gerade im Bad ist.
«So früh am Morgen?», fragt Anemone erstaunt. «Ja», antwortet Josefin. «Dieser chinesische Dichter, Li Po, sitzt auf unserer Veranda.» Anemone folgt Josefin ins Wohnzimmer. Gemeinsam schauen sie aus dem Fenster. Li Po sitzt noch immer reglos mit den Händen im Schoß da und blickt mit zusammengekniffenen Augen in die Morgensonne. Anemone zupft an einer Haarsträhne und wickelt sich fester in ihren Bademantel. «Doch, das scheint tatsächlich Li Po zu sein», sagt sie. «Dann wollen wir ihn mal zum Frühstück einladen. Setz Teewasser auf, Josefin. Er trinkt bestimmt keinen Kaffee.» Josefin lebt mit ihrer Mutter Anemone in einer stillen Oase inmitten einer großen, lebhaften Stadt. Beide lieben Bücher. Und abends, wenn Anemone nicht im Restaurant kellnern muss, liest sie Josefin die Verse des alten chinesischen Dichters Li Po vor. Ihn haben sie besonders gern. Und dann erscheint er eines Tages höchstpersönlich. Für Josefin beginnt ein traumhafter Frühling mit ihrem besten Freund Li Po und manchen anderen ungewöhnlichen Bekanntschaften, wie Scheu-Vogel und den Grafitti-Sprayern Jay und Snoopy. - Ein Kinderbuch von einzigartiger Fantasie, schwebend zwischen Poesie und Wirklichkeit, mit zauberhaften Zeichnungen.
Über die Autorin: Åsa Gan Schweder, geboren 1973, erhielt ihre künstlerische Ausbildung in London und Amsterdam. Heute lebt sie in Oslo, wo sie Kurse in Zeichnen und Schreiben gibt. Schweder wurde mit ihrem Buch „Seidenraupenträume“ für den vom norwegischen Kultusministerium vergebenen Debütantenpreis 2006 nominiert.

Dienstag, 9. September 2008

Wenn Mama und Papa arbeiten müssen

Andrea Ramhofer
Jakobs Gedanken

Ab 7 Jahre, Novum Verlag 2007, 32 S., Farbabbildungen, Hardcover, ISBN: 978-3-85022-105-4, € 14,90
Jakob ist traurig. Jeden Morgen geht sein Papa fort ins Büro und Jakob weiß nicht, was er dort tut. Er weiß nur, dass man dort ganz still und ruhig sein muss. Und seine Mama hat auch nicht so viel Zeit für ihn. Doch dann erzählt ihm Oma eine Geschichte, über ihn, sich selbst und wie das so war damals, als sein Papa noch klein war und auch sie ihm nicht so richtig zugehört hat. „Jakobs Gedanken“ ist ein Kinderbuch, das sich mit der wichtigen Problematik auseinandersetzt, dass Eltern nicht immer genügend Zeit haben oder viele Dinge gar nicht mehr so sehen können wie ihre Kinder. Und es findet einen versöhnlichen Schluss: Mama und Papa haben zwar nicht immer für alles Zeit, aber es wird erklärt, weshalb das so ist und dass sie ihr Kind trotzdem sehr lieb haben. Außerdem macht es dem kleinen Leser beziehungsweise Zuhörer Mut, seinen Weg zu gehen und in seine eigene Fähigkeiten zu vertrauen.
Leseprobe: Wenn Jakob morgens aufwacht und er langsam die Augen öffnet, sieht er von seinem Bett aus durch das Fenster hinaus in den Garten, in dem es so viele wunderbare Dinge gibt. Einmal war die Sonne ein knallroter Ball, der über dem Dunst wie eine Zauberkugel schwebte. Aber Mama in ihrer Eile hatte sie nicht einmal gesehen. Sie läuft ständig hin und her und ruft zwischendurch: „Jakob, zieh dich bitte an! Wasch’ dir dein Gesicht! Putz’ dir die Zähne!“ Oft denkt er sich: „Würde Mama doch nur aus dem Fenster sehen! Vielleicht wäre sie dann auch ausnahmsweise mit einem ‚Kurzwaschprogramm‘ von mir einverstanden.“ Doch bis sie einmal Zeit hat, ist es meist Abend, und die vielen schönen Dinge sieht man nicht mehr. Bei Papa hat Jakob oft das Gefühl, „Er versteht mich nicht, oder er hört mir gar nicht zu.“ Zum Beispiel haben sie erst gestern beim Frühstück über Michael, seinen besten Freund, gesprochen und heute fragt er: „Wer ist eigentlich dieser Michael?“

Abschied nehmen

Rachel van Kooij
Klaras Kiste

ab 10 Jahren, Jungbrunnen Verlag 2008, 132 S., cell. Pappband, 978-3-7026-5796-3, EUR 13,90, SFR 27,20
Klara Meindert ist die Lehrerin der 4. Klasse. Die Kinder mögen sie sehr. Aber sie ist schwer krank und seit kurzer Zeit wissen alle, dass sie nicht mehr gesund werden wird. Solange es geht, will sie bei den Kindern in der Klasse bleiben. So können sie sich langsam voneinander verabschieden. Den Eltern wäre es lieber, wenn Frau Meindert nicht mehr in die Schule kommen würde. Julius und seine Freunde wollen der Lehrerin ein Abschiedsgeschenk machen und bauen ihr einen Sarg. Einen bunten, fröhlichen, vor dem sie keine Angst haben muss. Als Julius’ Mutter herausfindet, was im Schuppen vor sich geht, setzt sie der Sache schnell ein Ende. Sie meint, dass Kinder nicht mit dem Tod konfrontiert werden sollten. Die Kinder sind ratlos. Aber Julius’ Großvater weiß, wie doch noch alles gut werden kann. - Leseprobe

Sonntag, 31. August 2008

Pettersson und der Fuchs

Sven Nordqvist
Ein Feuerwerk für den Fuchs

ab 6 Jahren, Mit farbigen Bildern von Sven Nordqvist, Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch, 28 S., geb., ISBN-13: 978-3-7891-6172-8, EUR 12,00, SFR 21,90, EUA 12,40
Der alte Pettersson, der mit seinem Kater Findus auf einem kleinen Hof draußen mitten in der Natur lebt, kann nicht nur Geburtstagstorten backen, er weiß auch, wie man Füchsen ein für alle Mal den Appetit auf Hühner verdirbt: mit einer Hutschachtel voller Feuerwerkskörper, einer Spukseilbahn und einem falschen Huhn, das möglichst echt auszusehen hat. Wenn Henne Henni und ihre Kolleginnen dafür auch ein paar Federn lassen müssen - was macht das schon. Schließlich ist es ja zu ihrem Besten. - Petterson-Webseiten - Friedhelm M. Leistner, Satirischer Zeichner, 44, Berlin, liest Petterson und der Fuchs

Samstag, 23. Februar 2008

Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur

Von der Buchstabentafel zur Tugendfibel
TEIL I: Kinder- und Jugendliteratur von den Frühformen bis zur Biedermeier-Epoche

Die Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur entstand in engem Zusammenhang mit der Herausbildung von „Kindheit“. Spielten zu Beginn Religiösität und Sittenlehre eine wesentliche Rolle in den Inhalten und Zielen der Literatur für Kinder und Jugendliche, so schlugen sich in Zeiten der Aufklärung insbesondere pädagogische Ziele nieder. In dieser Epoche konnte man erstmals von einer spezifischen Kinder- und Jugendliteratur reden. Dichter und Denker in Deutschland und Europa versuchten, dem Kind mit „kindgerechter“ Literatur zu begegnen. Die Literatur als solche gehörte sogar zu einem wichtigen Instrument der Erziehung. Diese Tendenzen und Erkenntnisse sollten aber schon bald Gegner finden. Die Vertreter der Romantik setzten der „pädagogischen Instrumentalisierung“ das der Literatur Eigene, das Künstlerische, das Poetische und Fantastische entgegen.
Zu diesem Thema siehe auch: Überblick zur Entwicklung des deutschen Kinder- und Jugendbuches:

Freitag, 22. Februar 2008

Kinderbücher aus den 50er Jahren und davor

"Wir - das sind Christine und Detlef Heinsohn - haben eine private Sammlerseite mit antiquarischen Büchern. Wir betreiben kein kommerzielles Antiquariat, sondern sammeln selber vor allem

Kinderbücher aus den 50er Jahren und davor

Diese Homepage soll Gleichgesinnten unser Hobby präsentieren. Wir tauschen gern Sammlerexemplare und bieten Interessierten an, Ihre Sammlung zu vervollständigen.

Von den meisten hier vorgestellten Büchern haben wir nur jeweils ein Exemplar. Alle präsentierten Fotos sind von eigenen Büchern selbst erstellt und bearbeitet worden.

Überblick zur Entwicklung des deutschen Kinder- und Jugendbuches

Die hier dargestellte Entwicklung folgt im Wesentlichen der Systematik, die im Standardwerk von Irene Dyhrenfurth: "Geschichte des deutschen Jugendbuches" (Atlantis Verlag, Zürich u.a., 1967) gewählt wurde. An entsprechender Stelle weisen Links zu Büchern unserer Bücherkiste.1.

Frühzeit

Der Beginn von Kinder- und Jugendliteratur ist im Zusammenhang mit der Entwicklung der Jugendbildung zu sehen. Das gemeine Volk konnte ja im Normalfall bis zum 14. Jahrhundert weder lesen noch schreiben. Zu der Zeit entstand in den Städten das Bedürfnis, Kinder in Zucht zu nehmen, "damit sie nicht müßig und auf den Gassen umlaufen, sondern bei und neben den anderen Knaben Zucht lernen und des kundiger und geschickter werden, etliche, daß sie schreiben und lesen lernen, etliche, daß sie gelahrt und geistlich möchten werden" (aus einer Nürnberger Verordnung). So entstanden private Elementarschulen, die von Personen, die sich dafür geeignet hielten, geführt wurden.

Erste "Fibeln" waren die sogenannten ABC-Büchlein, bei denen neben den Laut ein passendes Bild gesetzt wurde (z.B. A = Affenbild). Die Inhalte waren immer in Verse gesetzt. Die Inhalte waren zunächst kirchlicher Art, wobei die ADC-Büchlein - die sich bis ins 19. Jahrhundert hielten - natürlich eine Entwicklung mitmachten .... weiterlesen