Freitag, 22. Februar 2008

Russische Märchenwelten (3)

Wassilissa - Die Wunderschöne

In einem Reiche lebte einmal ein Kaufmann zwölf Jahre lang einträchtig mit seiner Frau. Sie hatten eine einzige Tochter, die wunderschöne Wassilissa. Als das Mädchen acht Jahre zählte, ward die Mutter sterbenskrank. Sie rief ihre Tochter zu sich, holte unter ihrer Decke eine Puppe hervor, gab sie ihr und sagte: «Höre, mein Kind, behalte meine letzten Worte gut in deinem Gedächtnis und beherzige sie. Mit meinem mütterlichen Segen hinterlasse ich dir diese Puppe; bewahre sie immer bei dir, zeige sie niemandem. Wenn dir einmal Kummer und Leid widerfahren, gib der Puppe zu essen und dann frage sie um Rat. Die Puppe wird erst essen und dir dann sagen, wie du dem Unglück wehren kannst.»
Darauf küßte die Mutter ihre Tochter und verschied.

Nach dem Tode seiner Frau trauerte der Kaufmann ein Jahr. Dann aber gedachte er sich wieder zu verheiraten. Er war ein angesehener Mann und hätte mehrere Bräute finden können. Am meisten gefiel ihm eine Witwe mit zwei Töchtern. Er glaubte, sie könne ihm eine gute Hausfrau und Wassilissa eine gute Mutter werden. Also heiratete der Kaufmann die Witwe. Aber die Sache kam anders, denn Wassilissa hatte bei der Stiefmutter und ihren Töchtern kein gutes Leben. Sie bürdeten ihr viele Arbeiten auf, damit sie vor Erschöpfung abmagere und ihr Gesicht immer häßlicher werde. Sie machten ihr das Leben zur Hölle.

Wassilissa ertrug alles ohne Widerrede und Murren. Mit jedem Tag wurde sie schöner, während die Stiefmutter und deren Töchter vor Bosheit immer häßlicher wurden, obwohl sie den ganzen Tag die Hände in den Schoß legten. Wie mochte das wohl zugehen? Unserer Wassilissa half ihre Puppe. Am Abend, wenn alle schlafen gegangen waren, schloß sie sich in ihr Kämmerlein ein, gab der Puppe zu essen und sagte: «Iß, liebe Puppe, und höre meine Klagen! Ich lebe wohl in meines Vaters Haus, aber die Stiefmutter will mich verderben. Lehre mich, wie soll ich mich verhalten, was soll ich tun?» Die Puppe aß, tröstete sie in ihrem Kummer und gab ihr gute Ratschläge. Dann konnte Wassilissa ruhig einschlafen. Wenn sie am Morgen erwachte, hatte die Puppe alle Arbeit für sie getan.

Wie hätte sie sonst zurechtkommen sollen! Die Beete waren gejätet, das Gemüse gegossen, Wasser geholt und der Ofen geheizt. Wassilissa konnte sich im Garten erholen und Blumen pflücken. So hatte sie trotz allem mit ihrer Puppe ein gutes Leben.

Es vergingen einige Jahre. Wassilissa wuchs heran und kam ins Alter zu heiraten. Viele junge Männer freiten um sie, aber die Töchter der Stiefmutter wollte keiner. Da ward jene noch giftiger als bisher und gab den Freiern zur Antwort: «Ich werde die Jüngste nicht vor den Älteren heiraten lassen.» - Jetzt wurde das Leben für Wassilissa noch schwerer.

Eines Tages mußte der Kaufmann für längere Zeit eine Reise antreten. Die Stiefmutter hatte erfahren, daß draußen vor der Stadt, nahe an einem finsteren Walde, dem Kaufmann ein Haus gehört. Doch niemand getraute sich dort zu wohnen, weil in dem Walde die Baba Jaga lebte. Sie war eine Menschenfresserin. In dieses Haus zog die Stiefmutter mit den Töchtern. Sie schickte die verhaßte Wassilissa immer wieder mit einem anderen Vorwand in den Wald. Sie sollte der Menschenfresserin begegnen. Aber Wassilissa kam jedesmal wohlbehalten zurück, weil die Puppe ihr den Weg zeigte. Sie ließ sie nicht in die Nähe der Baba Jaga kommen.

So wurde es Herbst.

Eines Abends verteilte die Stiefmutter den drei Mädchen Arbeiten: Eine sollte häkeln, die andere Strümpfe stricken, Wassilissa aber sollte spinnen. Dann löschte sie im ganzen Hause das Licht und ließ nur eine einzige Kerze dort brennen, wo die Mädchen arbeiteten. Sie selbst legte sich schlafen.

Während die Mädchen fleißig ihre Arbeit taten, fing die Kerze zu rußen an. Die eine Stiefschwester wollte den Docht richten, dabei löschte sie aber die Kerze aus, wie es ihr die Mutter vorher befohlen hatte. «Was sollen wir jetzt tun? Kein Licht brennt im ganzen Hause, und unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Jemand muß zur Baba Jaga gehen und Licht holen!» Die Stiefschwestern sprachen: «Uns ist es hell genug von unseren Nadeln. Du mußt Licht holen! Gehe du zur Baba Jaga!» - Und sie stießen Wassilissa aus der Stube.

Wassilissa ging in ihre Kammer, setzte ihrer Puppe die besten Bissen vor und sagte: «Hier, Puppe, iß und hör mein Klagen: Die bösen Schwestern schicken mich nach Licht zur Baba Jaga; die wird mich fressen.» Die Puppe aß und ihre Augen begannen zu leuchten wie zwei Sterne. «Hab keine Angst, liebe Wassilissa! Geh wohin sie dich schicken, nur nimm mich immer mit! Wenn ich bei dir bin, wird dir nichts geschehen.» Wassilissa steckte die Puppe in ihre Tasche, bekreuzigte sich und machte sich auf den Weg in den finsteren Wald.

Sie ging und zitterte vor Angst. Auf einmal sprengte ein Reiter an ihr vorbei: Er war ganz weiß, seine Rüstung war weiß und das Pferd war weiß: Da begann es zu dämmern.

Sie ging weiter, da sprengte ein zweiter Reiter vorbei: Er war ganz rot, seine Rüstung war rot und er saß auf einem roten Pferd: Da ging die Sonne auf, und es ward Morgen.

Wassilissa lief den ganzen Tag und kam am Abend auf die Lichtung, wo das Haus der Baba Jaga stand. Rund um das Haus stand ein Zaun aus lauter Menschenknochen und auf den Pfählen steckten Menschenschädel mit Augen, daraus leuchtete es. Statt der Türe war ein Eingang aus Menschenbeinen, die Riegel waren Hände, das Schloß aber war ein Mund mit scharfen Zähnen. Wassilissa erstarrte vor Entsetzen und stand wie angewurzelt da. Wieder ritt ein Reiter vorbei: Seine Gestalt war schwarz, seine Rüstung war schwarz und er saß auf einem schwarzen Pferd. Er ritt an dem Tor vorbei und verschwand, als ob ihn der Erdboden verschluckt hätte - da ward es Nacht. Nur aus den Augenhöhlen der Schädel leuchtete es. Wassilissa zitterte vor Angst und wußte nicht, ob sie fliehen oder stehenbleiben sollte.

Auf einmal hörte man aus dem Walde fürchterlichen Lärm. Baba Jaga kam aus dem Wald. Sie fuhr in einem Mörser, den sie mit einem Stößel antrieb. Mit einem Besen verwischte sie die Spur hinter sich. Sie fuhr vor das Tor, hielt an und schnüffelte nach allen Seiten: «Fuh, Fuh! Es riecht nach einem Russen! Wer ist hier?» Voll Furcht trat Wassilissa hervor, verneigte sich und sagte: «Ich bin's, Großmütterchen! Die Töchter meiner Stiefmutter haben mich geschickt Licht zu holen.» - «Ja, recht so! Die kenne ich. Du kannst bei mir wohnen und arbeiten, und dann will ich dir auch Licht geben. Erfüllst du aber die Arbeiten nicht, werde ich dich fressen.»

Darauf wandte sie sich zum Tor und rief: «He da, meine festen Riegel, öffnet euch! Ihr, meine weiten Tore, gehet auf!» Die Tore öffneten sich, Baba Jaga fuhr in den Hof und Wassilissa folgte ihr. Gleich darauf schlössen sich knarrend die Tore. Baba Jaga betrat ihre Stube, streckte sich auf der Bank aus und befahl Wassilissa: «Nun hole aus dem Keller Kwas und aus dem Ofen, was dort steht, ich habe Hunger.»
Wassilissa ging hinaus und zündete an einem der Schädel einen Span an. Dann holte sie die Speisen und Baba Jaga aß und trank soviel, daß zehn Männer hätten satt werden können. Als sie satt war, stand sie auf und sagte: «Wenn ich morgen früh fortfahre, kehre den Hof, fege das Haus, koche das Essen, richte die Wäsche und dann gehe auf den Speicher, nimm einen Scheffel Weizen und lese die schwarzen Körner aus! Das alles muß fertig sein, wenn ich nach Hause komme, sonst fresse ich dich!» Dann ging sie schlafen und fing bald an zu schnarchen.

Wassilissa gab der Puppe zu essen, was die Alte übrig gelassen hatte, begoß alles mit ihren Tränen und sagte: «Hier, Puppe, iß und höre meine Klagen! Schwere Arbeit hat mir Baba Jaga aufgetragen und drohte mir, mich zu fressen, wenn ich nicht alles erfülle. Hilf du mir!» Die Puppe gab zur Antwort: «Hab keine Angst, iß zu Abend, sprich dein Gebet und lege dich schlafen! Der Morgen ist klüger als der Abend!»

Als Wassilissa am Morgen erwachte, war Baba Jaga schon aufgestanden. Sie sah zum Fenster hinaus, die Lichter in den Schädeln erloschen. Der weiße Reiter sprengte vorbei - es dämmerte. Baba Jaga trat auf den Hof und pfiff: Der Mörser stand vor ihr mit Stößel und Besen. Der rote Reiter sprengte vorbei — die Sonne ging auf. Baba Jaga setzte sich in den Mörser und fuhr davon. Mit dem Stößel trieb sie ihn an, mit dem Besen verwischte sie ihre Spur.

Wassilissa war allein zu Hause. Sie sah sich im Hause um, bestaunte den Überfluß an allen Dingen und versank in Nachdenken, mit welcher Arbeit sie zuerst beginnen sollte. Als sie aufschaute, war die Arbeit schon getan; gerade las die Puppe die letzten schwarzen Körner aus dem Weizen heraus. «Ach, du meine Retterin, du hast mir aus der Not geholfen!» - «Jetzt brauchst du nur noch das Essen zu kochen», antwortete die Puppe und kroch in Wassilissa's Tasche.

Gegen Abend deckte Wassilissa den Tisch und wartete. Es begann zu dämmern, draußen zeigte sich der schwarze Reiter, und es brach die Nacht herein. Die Augen in den Schädeln begannen zu leuchten. Die Bäume ächzten, das Laub raschelte - Baba Jaga kam in ihrem Mörser gefahren. Wassilissa ging ihr entgegen und Baba Jaga fragte: «Ist alles getan?» - «Schau selbst nach, Großmütterchen!» Die Alte sah überall nach und ärgerte sich, daß sie keinen Grund fand zu tadeln: «Na gut», sagte sie. Dann stieß sie einen lauten Ruf aus, den Wassilissa nicht verstehen konnte. Von oben erschienen drei Paar Hände, ergriffen den Weizen und trugen ihn fort. - Baba Jaga aß sich satt und gab Wassilissa einen Auftrag: «Morgen machst du das gleiche wie heute, außerdem nimmst du vom Speicher den Mohn und säuberst ihn von der Erde, Körnchen um Körnchen. Es hat nämlich jemand aus Bosheit Erde darunter gemischt!» Sprach's und ging schlafen.

Wassilissa gab ihrer Puppe zu essen. Als sie satt war, sagte sie: «Sprich dein Gebet und lege dich schlafen; der Morgen ist klüger als der Abend. Alles wird wieder getan sein, liebe Wassilissa.»

Am nächsten Morgen fuhr Baba Jaga wieder in ihrem Mörser davon. Die Puppe half Wassilissa bei der Arbeit und beide waren bald damit fertig. Als die Alte abends heimkam, besah sie sich alles und rief: «Ihr, meine treuen Diener, meine lieben Freunde, preßt Öl aus dem Mohn!» Es erschienen wieder die drei Paar Hände, ergriffen den Mohn und trugen ihn fort. Baba Jaga setzte sich zum Essen und Wassilissa stand schweigend dabei. - «Warum sprichst du nicht mit mir?» fragte Baba Jaga, «Du stehst da, als wärest du stumm!» -«Ich traute mich nicht. Doch wenn du erlaubst, möchte ich dich gerne etwas fragen.» - «Frag nur! Nur führt nicht jede Frage zum Guten. Wer viel weiß, wird bald alt.» - «Ich möchte nur fragen, nach dem, was ich draußen sah. Als ich auf dem Wege zu dir war, ritt ein Reiter vorbei auf weißem Pferd, in weißer Rüstung: Wer ist das?» -«Der helle Tag!» - «Danach ritt ein anderer Reiter mit roter Rüstung auf rotem Pferd vorbei: Wer ist das?» — «Meine rote Sonne!» - «Und wer ist der schwarze Reiter auf schwarzem Roß, der vorbeiritt, als ich schon vor deinem Tore stand?» - «Meine dunkle Nacht. Alle drei dienen mir treu.»
Wassilissa dachte noch an die drei Paar Hände, - aber sie schwieg. «Warum fragst du nicht weiter?» fragte die Baba Jaga. - «Das genügt mir schon, Großmütterchen, hast du doch selbst gesagt: Wer viel weiß, wird bald alt.» - «Es ist gut, daß du nur danach fragst, was du vor dem Zaun draußen gesehen hast und nicht hinter dem Zaun drinnen! Ich habe es nicht gern, wenn man den Kehricht aus der Stube trägt und fresse jeden, der zu neugierig ist. -Aber jetzt frage ich dich: Wie bringst du es fertig, daß du mit allen Arbeiten fertig wirst, die ich dir auftrage?» - «Mir hilft der Segen meiner Mutter.» - «Ach, so ist das! Dann sieh zu, daß du schnellstens fortkommst. Gesegnete kann ich nicht brauchen.» Baba Jaga zerrte Wassilissa aus der Stube und stieß sie zur Tür hinaus. Draußen gab sie ihr vom Zaun einen Schädel mit brennenden Augen, steckte ihn auf einen Stock, gab ihn ihr und sagte: «Hier hast du Licht für die Stieftöchter, denn danach haben sie dich doch hergeschickt.»

Eilends machte sich Wassilissa auf den Heimweg. Durch den finsteren Wald leuchteten ihr die Augen des Schädels. Am Abend des nächsten Tages kam sie endlich nach Hause. Als sie sich dem Tore näherte, wollte sie den Schädel fortwerfen, denn sie dachte: Gewiß brauchen sie kein Licht mehr. Doch auf einmal war aus dem hohlen Schädel eine Stimme zu vernehmen: «Wirf mich nicht fort, bring mich zu deiner Stiefmutter.»

Als sie in keinem der Fenster zu Hause Licht erblickte, ging sie mit dem leuchtenden Schädel darauf zu. Es war das erste Mal, daß sie freundlich empfangen wurde; sie erzählten ihr, daß sie seitdem kein Licht und Feuer im Hause hatten. Wenn sie bei Nachbarn Licht geholt hätten, wäre es sogleich verloschen, sobald sie damit die Stube betraten. «Hoffentlich wird dein Licht brennen», sagte die Stiefmutter. Sie trugen den Schädel in die Stube, aber die brennenden Augen aus dem Schädel verfolgten und brannten die drei ganz fürchterlich. Wenn sie sich vor den stechenden Strahlen verstecken wollten, - die Augen folgten ihnen überallhin. Gegen Morgen waren die drei ganz zu Kohle verbrannt, - nur Wassilissa war unversehrt geblieben.

Am Morgen vergrub sie den Schädel in der Erde, verschloß das Haus und ging in die Stadt. Dort fragte sie eine alte Frau, die niemand zu versorgen hatte, ob sie bei ihr wohnen dürfe, bis ihr Vater heimgekehrt sei. Die Alte war's zufrieden, und sie lebten gut miteinander.

Es war Winter geworden.
Eines Tages sprach sie zu der Alten: «Mir ist ohne Arbeit die Zeit lang. Geh doch und kauf mir den besten Flachs, den will ich spinnen.» Die Alte kaufte schönen Flachs und Wassilissa setzte sich ans Spinnrad. Die Arbeit ging ihr flink von der Hand und der Faden wurde so fein wie Haar. Bald hatte sie schon eine Menge Garn gesponnen. Nun war es an der Zeit zu weben. Aber sie hatte keinen Webstuhl. Wassilissa bat ihre Puppe: «Bring mir einen Kamm und ein Schiffchen und was dazugehört.» Dann legte sie sich schlafen.

Die Puppe baute über Nacht einen herrlichen Webstuhl, und gegen Ende des Winters war alles zu wunderbarem Linnen gewebt. Im Frühling bleichten sie es. Dann sprach Wassilissa zu der Alten: «Großmütterchen, verkaufe das Linnen, das Geld kannst du für dich behalten.» - Die Alte beschaute das herrliche Linnen, schlug die Hände über den Kopf und sagte: «O nein, mein Kind! So feines Linnen darf kein anderer tragen als der Zar. Ich will es ins Schloß bringen.» - Die Alte ging zum Schloß und lief immerzu unter dem Fenster hin und her. Das sah der Zar von oben und fragte: «Was willst du, Alte?» - «O Väterchen Zar! Ich habe hier eine wunderbare Ware und will sie keinem zeigen als Euch allein.» Der Zar gebot, sie einzulassen. Als er das feine Linnen sah, war er ganz verwundert darüber und fragte: «Was willst du haben dafür?» «Dieses Linnen ist mit Geld nicht zu bezahlen, Väterchen Zar. Ich bringe es dir als Geschenk.» - Der Zar dankte der Alten und entließ sie mit Gaben.

Nun wollte man dem Zaren aus dem Linnen Hemden nähen, aber man fand keine gute Näherin. Sie suchten lange. Schließlich ließ der Zar die Alte rufen und sprach zu ihr: «Hast du es fertig gebracht, so fein zu spinnen und zu weben, so kannst du wohl auch die Hemden nähen.» - «Nicht ich, Herr, habe so fein gesponnen und gewebt. Das ist die Arbeit eines armen" Mädchens, das ich bei mir aufgenommen habe.» - «Dann soll die Hemden eben jenes Mädchen nähen», antwortete der Zar.

Die Alte kehrte heim und erzählte alles Wassilissa. Die sagte: «Ich wußte schon, daß diese Arbeit mir zufallen soll.» Sie ging in ihre Kammer, schloß sich ein, setzte sich an ihre Arbeit und nähte - ohne die Hände in den Schoß zu legen. Bald war das Dutzend Hemden fertig.

Inzwischen war es Sommer geworden.
Die Alte brachte die Hemden zum Zaren. Wassilissa wusch und kämmte sich, zog ihr gutes Kleid an und setzte sich ans Fenster. Da saß sie nun und wartete. - Auf einmal sah sie, wie ein Diener des Zaren sich dem Hause nahte. Als er eintrat, sagte er: «Der Zar will die Meisterin sehen, die ihm die Hemden genäht hat und will sie selbst belohnen.»

Als der Zar die wunderschöne Wassilissa erblickte, verliebte er sich sogleich in sie und sagte: «O du meine Wunderschöne! Von dir will ich mich nicht mehr trennen, werde du meine Frau!» — «Ich bin bereit, mein Zar, deinen Wunsch zu erfüllen. Nur kann ich nicht ohne den Segen meines Vaters heiraten.» - Als der Vater heimkehrte und von dem großen Glück seiner Tochter hörte, gab er ihr seinen Segen, und Wassilissa heiratete den Zaren.

Die junge Zarin nahm die Alte zu sich und auch ihren Vater. Ihre Puppe trug sie immer bei sich - bis an ihr Lebensende.

Zur russischen Version:
Василиса прекрасная

Russische Märchenwelten (2)

Auf Märchen.ru finden sich Märchen aus Russland. Entstanden in uralter Zeit waren sie nicht zuletzt die Grundlage für die berühmten sowjetischen Märchenfilme im letzten Jahrhundert. Gerade sie haben Märchengestalten wie Väterchen Frost, das Schneeflöckchen oder die Hexe Baba Jaga auch in mitteleuropäische Kinderzimmer gebracht. Hier auf dieser Seite finden sich die zu grunde liegenden Geschichten in deutscher Sprache online. Sie wurden von uns behutsam bearbeitet, damit unter der Übersetzung auch für die kleinen deutschsprachigen Zuhörer oder Leser die märchenhafte Atmosphäre nicht leidet.

Russische Kinder- und Jugendbücher (in deutscher Sprache)

Russische Kinder- und Jugendbücher
von Tschingis Aitmatow bis Alexander Wolkow

rezensiert Gisela Reller auf ihren

"... Mein Anliegen ist es, mit Buchrezensionen - angereichert durch Sprichwörter, Fotos und ethnografische Illustrationen - kontinuierlich Bücher russischer Autoren und Autorinnen vorzustellen, die es geschafft haben, auf den deutschen Büchermarkt zu kommen ..."

Russische Märchenwelten (1)

Vom Schwesterlein Aljonuschka und Brüderlein Iwanuschka

Es lebten einmal ein Mann und eine Frau, die hatten ein Töchterlein, das hieß Aljonuschka, und einen kleinen Sohn mit Namen Iwanuschka. Doch bald starben die Eltern, und die beiden Kinder blieben mutterseelenallein in der Welt zurück. Aljonuschka ging bei fremden Leuten Arbeit suchen; das kleine Brüderchen nahm sie mit. Lang war der Weg, über ein weites Feld führte er, und da verspürte Iwanuschka großen Durst.

„Aljonuschka, mein Schwesterlein, ich will trinken.“ „Warte, Brüderchen, bis wir zu einem Brunnen kommen.“ Und sie wanderten weiter. Hoch steht die Sonne am Himmelszelt, nirgends ein Brunnen weit und breit, der Wind weht heiß, es rinnt der Schweiß. Ist da am Weg die Spur einer Kälberklaue eingedrückt, die steht voll Wasser. „Schwesterchen Aljonuschka, lass mich aus der Spur trinken.“ „Tu es nicht, Brüderchen. Du wirst sonst ein Kälbchen.“ Iwanuschka gehorchte, und sie schritten weiter.

Hoch steht die Sonne am Himmelszelt, nirgends ein Brunnen weit und breit, der Wind weht heiß, es rinnt der Schweiß. Da sahen sie die Spur eines Pferdehufs, die war auch mit Wasser gefüllt. „Schwesterchen Aljonuschka, lass mich aus dem Huf trinken.“ „Tu es nicht, Brüderchen. Du wirst sonst ein Fohlen.“ Iwanuschka seufzte, und sie gingen weiter.

Wieder wanderten sie ein großes Stück. Hoch steht die Sonne am Himmelszelt, nirgends ein Brunnen weit und breit, der Wind weht heiß, es rinnt der Schweiß. Da kamen sie zur Spur eines Ziegenhufs, die stand voll Wasser. Iwanuschka sprach: „Schwesterlein Aljonuschka, ich kann nicht mehr, ich muss aus diesem Huf trinken.“ „Tu es nicht, Brüderchen, du wirst ein Böcklein.“ Doch Iwanuschka hörte nicht auf sie und trank.

Und als er aus dem Ziegenhuf getrunken hatte, verwandelte er sich in ein Böcklein...

Aljonuschka rief das Brüderchen, doch statt seiner kam ein kleiner weißer Ziegenbock auf sie zugesprungen.

Da vergoss Aljonuschka heiße Tränen. Sie sank in einen Heustoß, weinte bitter und lang, während das Böcklein munter um sie sprang.

Kam da ein Kaufmann in seinem Wagen des Weges daher. „Warum weinst du, schönes Magdlein?“ Aljonuschka klagte ihm ihr Unglück. Der Kaufmann sprach: „Werd mein Weib, ich will dich in Samt und Seide kleiden, und das Böcklein soll immer bei uns bleiben.“ Aljonuschka dachte ein Weilchen nach und wurde des Kaufmanns Frau. So lebten sie denn miteinander in Glück und Eintracht, und das Böcklein wohnte auch bei ihnen und aß von Aljonuschkas Teller.

Doch eines Tags, als der Kaufmann fort war, kam eine Hexe. Sie stellte sich vor Aljonuschkas Fenster und lockte sie mit süßer Stimme zum Baden. Aljonuschka folgte ihr an den Fluss. Die Hexe fiel über Aljonuschka her, band ihr einen Stein um den Hals und stieß sie ins Wasser. So getan, nahm sie flugs Aljonuschkas Gestalt an, kleidete sich in deren Gewänder und ging in das Haus des Kaufmanns, wo sie niemand erkannte. Auch der Kaufmann merkte nichts, als er von seiner Reise zurückkam. Nur das Böcklein wusste alles. Es ließ den Kopf hängen, aß und trank nicht. Morgens und abends lief es am Fluss entlang, dicht beim Wasser, und rief:

„Aljonuschka, lieb’ Schwester mein, / Steige aus dem Wasser fein...“

Der Hexe kam das zu Ohren, und sie ließ dem Kaufmann keine Ruh’, er sollte das Böcklein schlachten und braten. Dem tat das Tierchen leid, er hatte es ins Herz geschlossen, doch die Hexe ließ nicht ab, sie bedrängte ihn immer wieder, bis der Kaufmann schließlich nachgab. „Na, gut schon, schlachte das Böcklein...“ Da ließ die Hexe großes Feuer anmachen, in eisernen Kesseln Wasser kochen und stählerne Messer schleifen. Als das Böcklein sah, dass es ihm ans Leben gehen sollte, sprach es zu seinem Pflegevater: „Lass mich noch einmal zum Wasser vor dem Tod, damit ich mich satt trinke und meine Gedärme spüle.“ „Lauf hin“, sagte der Kaufmann. So lief das Böcklein zum Fluss. Vom Ufer rief es mit klagender Stimme:

„Aljonuschka, lieb’ Schwester mein,
Steige aus dem Wasser fein.
Schon schleift man das Messer,
Schon kochet das Wasser,
Schon brennt das Feuer rot,
Bald bin ich tot.“

Und eine Stimme kam aus der Tiefe:
„Ach, Bruder mein, Iwan,
dass ich nicht kommen kann.
Es hängt an meinem Hals der Stein,
Es hält die Alge grün mein Bein,
Und gelber Sand deckt mein Gewand.“

Die Hexe suchte indes überall nach dem Böcklein. Als sie es nirgends fand, schickte sie einen Knecht aus.

„Find mir das Böcklein und bring es her.“ Der Knecht ging zum Fluss, dort sah er das Böcklein am Ufer hin und her laufen und hörte es gar herzzerreißend rufen:
„Aljonuschka, lieb’ Schwester mein,
Steige aus dem Wasser fein.
Schon schleift man das Messer,
Schon kochet das Wasser,
Schon brennt das Feuer rot,
Bald bin ich tot.“

Und aus dem Fluss kam dumpf die Antwort:

„Ach, Bruder mein, Iwan,
dass ich nicht kommen kann,
Es hängt an meinem Hals der Stein,
Es hält die Alge grün mein Bein,
Und gelber Sand deckt mein Gewand.“

Da rannte der Knecht nach Haus und erzählte dem Kaufmann, was er gehört und gesehen hatte. Gleich rief man Leute zusammen, und alle machten sich zum Fluss auf. Mit seidenen Netzen fischte man und zog die tote Aljonuschka auf den Sand. Den Stein schnitt man ab von ihrem Hals, übergoss sie mit frischem Quellwasser, kleidete sie in ein schönes Gewand. Da kehrte das Leben zu ihr zurück, und sie erstand schöner und anmutiger noch als zuvor. Das Böcklein aber überkugelte sich vor Freude dreimal in der Luft, und da wurde es wieder zum Knaben Iwanuschka.

Die böse Hexe jedoch band man an den Schweif eines wilden Rosses und ließ es laufen über Stock und Stein.

Zur russischen Version:

Vorlese-Initiativen und - Wettbewerbe

Deutschland liest vor

"Wer selber ein Bücher-Fan ist, für den ist ganz selbstverständlich: Lesen ist eine Lust. Aber Kinder werden nicht als kleine Leseratten geboren ... Aber es ist wichtig, Kinder zum Lesen zu motivieren und in ihnen die Freude am Lesen zu wecken ... "
Deutschland liest vor

Lesewelt e.V.
Bundesweites Aktionsbündnis für Vorleseinitiativen

Lesewelt verbindet auf einfachste Weise die aktuellen gesellschaftspolitischen Themen Bildung, Integration und bürgerschaftliches Engagement. Bereits elf Lesewelt-Gruppen mit bundesweit mehr als 400 ehrenamtlichen Vorleserinnen und Vorlesern sind aktiv und vermitteln Kindern Woche für Woche die Freude am Lesen.
25. - 26. April 2008: Erste Lesewelt Tagung in Stuttgart Das erste Treffen der Lesewelt-Gruppen steht ins Haus! Eingeladen sind alle elf Lesewelt-Gruppen, die sich z.T. schon seit mehreren Jahren für die Leseförderung von Kindern engagieren. Mit dem Treffen wollen wir vor allem ein persönliches Kennenlernen der Lesewelt Gruppen ermöglichen und hoffen auf einen lebhaften Erfahrungsaustausch.
Lesewelt

Vorlesewettbewerb
Der Vorlesewettbewerb wird seit 1959 jedes Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und sonstigen kulturellen Einrichtungen veranstaltet. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Fast 700.000 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich jedes Jahr. Mitmachen können alle 6. Schulklassen. Wer gerne liest und Spaß an Büchern hat, ist eingeladen sein Lieblingsbuch vorzustellen und eine kurze Passage daraus vorzulesen.

Vorlesewettbewerb

Wir lesen vor

Vorlesen ist eine wunderbare Sache: Für alle, die vorgelesen bekommen – aber auch für diejenigen, die vorlesen. Daher möchten wir Sie herzlich einladen, bei der Initiative „Wir lesen vor“ der Wochenzeitschrift DIE ZEIT und der Stiftung Lesen mit dabei zu sein. Ob beim diesjährigen bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2008 oder das ganze Jahr über …

Christoph Stüttgens Kasperkoffer

"Man kann den Kasper als eine zeitlose Figur verstehen, der im Kern den lernenden, sich verwandelnden Menschen repräsentiert. Er stellt "dumme" Fragen, ist "naiv", aber immer wieder begünstigt vom Schicksal. Mit seinem lachenden Gesicht und der großen Hakennase ist er ein Bild für das junge Ich und seit geraumer Zeit die Identifikationsfigur der Kinder."
Christoph Stüttgen
Von dem doppelten Kasper und falschen Gespenstern
Neun Kasperstücke, 64 S., durchgehend farbig
mit Pergamentumschlag sowie Kaspermütze als Lesezeichen zum Selbermachen!
ISBN3-928780-25-5, 18.00 €
Christoph Stüttgen
Similia Similibus
Ein Kasperstück in fünf Akten - Buch und CD
Buch
FIU-Verlag 1991, 32. S., Hardcover, geb., sechs Farbbilder vom Autor
ISBN3-92 87 80-01-8, 12.00 €
CD
mit Musik von Henning Christiansen, gesprochen vom Autor
37 Min., in kart. farb. Hülle
ISBN3-928780-54-9, 14.00 €
"Eine Rarität ist diese Mischung aus Kaspertheater und Märchengeschichte als Kunstgestalt eine erfreuliche Ergänzung zu den eher betulichen Formen von Märchenbüchern!" Dr. W. Deyle

Bestellen im FIU-Versand

Der Kasperkoffer, Homepage des Autors

Donnerstag, 21. Februar 2008

Club der kleinen Dichter

Beim Club der kleinen Dichter können alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren Mitglied werden, die gerne schreiben und ihre Geschichten veröffentlichen möchten.

Hierzu wurde der Blog "Euer Forum" eingerichtet. Und wer möchte, kann sich ab sofort mit Gleichgesinnten im Chatroom treffen, der aufgrund einer Anregung einer jungen Autorin eingerichtet wurde!

Zweimal im Jahr wird es ein Clubmagazin geben, das von jungen Redakteurinnen und Redakteuren gestaltet wird.

Natürlich ist die Clubmitgliedschaft kostenlos und mit keinerlei Verpflichtungen verbunden. Ihr müsst euch allerdings zweimal anmelden: einmal für den Club selbst und wer im Blog veröffentlichen möchte, muss sich aus Sicherheitsgründen dort noch einmal registrieren.

Kinder dürfen mir auch eine E-Mail mit ihrem Text schicken, ich füge Gedicht, Buchtipp oder Geschichte dann selbst in den Blog ein. Bei Jugendlichen gehe ich davon aus, dass sie sich mit dem "Bloggen" schon recht gut auskennen.

8 Pfoten und "1000 warme Kinderfüße" (eine Hilfsinitiative)

Maria Kostner
Lilli Brac & Seidenfell - Abenteuer auf acht Pfoten
Papierfresserchens mtm Verlag 2007, Band 1: Lillis Insel - Band 2: Am Ufer des reißenden Stromes (2 Bände in einem Buch), 192 S., ISBN: 978-3-940367-08-2, 12,90 Euro

Endlich hat die verwöhnte Katze Lilly Seidenfell eine Freundin gefunden. Aber dass es ausgerechnet eine Hundedame namens Lilli Brac sein muss? Nun ja, die tierischen Freunde erleben auf jeden Fall jede Menge spannende Abenteuer und erfahren bald, wie wichtig es ist, sich auf Freunde verlassen zu können.
Die Hilfs-Initiative "1000 warme Kinderfüße
"Ich habe mir seit einigen Tagen Gedanken gemacht. Es ist ja zur Zeit recht kalt. Des öfteren hatte ich kalte Füße, weil ich nicht die passenden Schuhe an hatte. War meine eigne Dummheit! Aber ich hörte im Radio von Kindern, die zu dieser Jahreszeit frieren. Am meisten fehlen warme Schuhe. Sind die Füße kalt, ist immer auch der Körper kalt. Selbst mit warmer Jacke. Auch in Kroatien. Dort gibt es Gegenden, die nahezu Schneesicher sind. Es gibt gerade in diesen von der Adria entfernteren Regionen sehr viel Elend. Auch oder gerade durch viele Flüchtlingsfamilien ..."

Ninas Leben auf dem Bauernhof

Ninas Leben auf dem Bauernhof
Ein Sachbuch für Kinder (Grundschule: Sachunterricht)
U. Carstensen, U. Eigenbrod u.a., Kallmeyerische Verlagsbuchhandlung 2000, ISBN: 978-3-7800-2027-7, 14,90 EUR

Dieses Sachbuch für Kinder enthält zahlreiche Geschichten, Informationen, Anregungen und Mitmachideen, die das Leben auf einem ökologisch arbeitenden Bauernhof miterleben lassen. Für jeden Monat im Jahr wird exemplarisch ein Thema herausgenommen und vorgestellt.
Kindgerecht wird der jahreszeitlichen Rhythmus, mit der Vielfalt der Natur und dem Leben auf einem ökologische arbeitenden Betrieb dargestellt. Die Kinder lernen sowohl Tiere und Pflanzen als auch das Leben und die Arbeit auf einem Hof kennen. Auf liebevollen, detailgetreuen Zeichnungen gibt es viel zu entdecken. Darüber hinaus gibt es Fotos, Sachinformationen und zahlreiche Handlungsanregungen, die zum Mitmachen, Experimentieren und Erleben auffordern.

Ninas Leben auf dem Bauernhof ist ein Buch, das Sie und die Kinder das ganze Jahr lang begleitet und immer wieder Anlass für gemeinsame Erlebnisse und Aktivitäten gibt.

Siehe auch Rezension auf Bauernhof.net: "Landwirtschaft im Kinderbuch - die 40 besten Titel"

Pferdemärchen

Bettina Klamann
Auf dem Pferd ins Märchenreich

Pferdemärchen, ab 6 Jahren
96 S., s/w illustriert, geb., 1. Aufl. 2006, ISBN 978-3-9810924-0-0, 9 EUR

In jedes Märchen gehört der Prinz auf seinem prächtigen Pferd und nirgendwo sonst als auf einem Ponyhof liegen Traum und Wirklichkeit enger beieinander. Dies beides ist Grundlage für ein Pferde- und Märchenbuch der besonderen Art.

Es enthält Volksmärchen mit Pferden u.a. aus Kambodscha, Russland, Litauen, Amerika und Kroatien. Zugunsten des Märchenreichs ist die (übrigens nur in der deutschen Wissenschaft übliche) Trennung zwischen Mythen und Märchen aufgehoben. Wir erfahren ebenso warum sich Pferde am Maul beschnuppern wie wir lesen, dass der russische Iwan dem Pferd ins Ohr klettert und als schmucker Recke daraus hervor steigt oder der Teufel wie ein Gaul ackert.

In jedem dieser Märchen steckt etwas von den Hoffnungen, die Pferdefreunde hegen: Das unscheinbare Pony möge die größten Turniere gewinnen oder das treue Pferd erahne jede Gefahr, in die sein Besitzer gerät und rette ihn daraus. Wer so etwas heute offen ausspricht wird belächelt. Das Märchen aber darf diese Wünsche in Bilder und Handlung kleiden.

Getreu nach Goethes Motto: „Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben, das wird die rechte Form dem Geiste geben“ wird jedes Märchen von einer kurzen Rahmengeschichte eingeleitet.

Pferdenärrische Kinder erfahren darin, wie es sein kann, das erste Mal auf einen Pferdehof zu kommen, wie die Besitzer mit ihren Tieren arbeiten, um Turniere zu gewinnen oder über Ärger mit rücksichtslosen Motorradfahrern.

„Auf dem Pferd ins Märchenreich“ ist in limitierter Auflage beim Verlag deutex erschienen und dürfte dadurch auch für Märchen- und Kinderbuchsammler interessant sein.

Autorin: Bettina Klamann (geb. 1966) hat sich in ihrem Germanistikstudium bereits intensiv mit Mythen und Märchenforschung auseinander gesetzt. Selbst Freizeitreiterin durchstöberte sie jahrelang Bibliotheken und Archive auf der Suche nach Märchen, in denen das Pferd eine Rolle spielt. In die große Materialsammlung gibt „Auf dem Pferd ins Märchenreich“ einen kleinen Einblick, der neugierig machen soll auf Folgebände.

Mehr zum Thema Pferdemärchen finden Sie unter Pferdemaerchen.de.

Buchempfehlungen der "Mütter besonderer Kinder"

Ulrike Escher
Und dann kam Lena

Für Kinder ab 8 Jahren, Verlag: Katercom & Rotblatt, TB, 80 S., ; 1. Aufl. 2006, ISBN: 3937221948

Früher war alles anders... Da hatten die Eltern Zeit für die 10-jährige Nele. Da herrschte keine Zeitnot bei den Eltern und kein Chaos bestimmte den Tagesablauf. Seit der Geburt von Lena, der sechs Monate alten mit Down-Syndrom lebenden Schwester ist einfach alles anders... „Später, Schatz“ ist die Standartantwort geworden, wenn Nele die Zeit ihrer Mutter beansprucht...

Das Buch erzählt von Nele und ihrem Familienleben nach der Geburt von Lena, von Ihrer besonderen Beziehung zu Tom, einem 17 Jahre alten Pony, um das sich sonst keiner mehr kümmert, von einem tollen Kreta-Urlaub und einem Schwimmwettbewerb, der Nele einen großen Wunsch erfüllen hilft...

Aus Neles Perspektive wird von den besonderen Bedingungen in einer Familie mit einem Kind mit Down-Syndrom berichtet – sowohl von den als erschwerend erlebten Veränderungen als auch von der tiefen Beziehung zwischen den Geschwistern und von Eltern, denen es gelingt trotz aller zusätzlichen Erfordernisse dennoch zu erkennen, dass die Familienmitglieder sich selber nicht vergessen dürfen.

Die Geschichte wird ergänzt durch schwarz-weiß Zeichnungen von Claudia Engelen.

Ein empfehlenswertes Buch für Kinder ab 8 Jahren, das authentisch und realistisch, dabei altersgerecht und interessant aus dem Leben eines 10-jährigen Mädchens berichtet.

Dieser Buchtipp einschließlich Rezension (von Dorothea Wolf-Stiegemeyer) ist der sehr empfehlenswerten Webseite "Mütter besonderer Kinder" entnommen.

Sonntag, 30. Dezember 2007

Kosmos Experimente für Anfänger: Forschen und Entdecken mit Brause, Sand Co

Hermann Krekeler
Kosmos Experimente für Anfänger

12,95 EUR [D] , Alter: 7, Art.-Nr.: 10767
ISBN: 978-3-440-10767-6

Luftballon, Sand, Brausetabletten, Wasser, Filmdöschen, Mineralwasser, Lebensmittelfarbe, Gummibärchen, Plastik-Osterei, Trinkhalm, Teller, Untertassen, Büroklammer, wasserfester Filzstift, Korken, Metallkette, Schuhschachtel, Klebstoff, Nägel, Holzspieß, Murmeln, Schüssel, Gläser, Frischhaltefolie,alte CDs, altes Stück Schlauch, Erbsen usw. usw.

Mit diesen Alltagsartikeln, welche in jedem Haushalt in der Regel vorrätig sind, kann keine Langeweile mehr aufkommen. Über 50 leicht durchführbare naturwissenschaftliche Experimente sind im Kosmos-Experimentebuch enthalten. Auf zwei Seiten wird anhhand von Bildern erklärt, was zu tun ist, so dass auch Leseanfänger kein Problem haben die Versuche durchzuführen.

Hinweis für Eltern, Großeltern, Verwandte und ErzieherInnen:

Eigentlich wäre es schade, wenn die Kinder ganz alleine experimentieren. Mancher Vater und manche Mutter dürfte ebenfalls Spaß an diesen einfachen Experimenten haben und hier und da sogar selbst noch ins Staunen kommen. Miteinander macht das Experimentieren sowieso mehr Spaß und richtig angepackt, dürften Ihre Kinder manche naturwissenschaftliche Erkenntnis daraus ziehen. Z.B. könnte man die Kinder fragen, welchen Ausgang des Experimentes sie erwarten. Man könnte "Wetten" darüber abschließen oder ein länger währendes Spiel daraus machen, indem Geschwister "gegeneinander" spielen und Punkte dafür bekommen, wenn sie den Ausgang der Versuche richtig vorhergesagt haben.

Elternteile, Verwandte und Großeltern sind froh, an Besuchstagen den (Enkel-)Kindern eine gemeinsame Aktivität zu bieten, welche gleichzeitig Spaß macht und dazu noch lehrreich ist. Die Investition in das Buch lohnt sich, da die Zutaten für die Experimente quasi kostenlos zur Verfügung stehen.

Gemeinsames Ausprobieren und Experimentieren kommt den Wünschen der Kinder entgegen, nämlich dass sich Eltern, Großeltern und andere Verwandte, besonders in den Ferien, sich mit ihnen beschäftigen. Das stärkt die familiäre Gemeinschaft und die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern.


Besondere Pluspunkte:
+ gutes Preis-Leistungsverhältnis
+ altersgerechte Erklärungen
+ Versuche Schritt für Schritt anhand von Abbildungen erläutert
+ übersichtlicher Aufbau
+ Erklärung (Hintergründe) zu jedem Versuch


Links zum Buch:
Verlagstext